/ 18.06.2013
Rainer Schmalz-Bruns / Reinhard Zintl (Hrsg.)
Politisches Vertrauen. Soziale Grundlagen reflexiver Kooperation
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2002 (Schriftenreihe der Sektion Politische Theorien und Ideengeschichte in der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft 2); 295 S.; brosch., 49,- €; ISBN 3-7890-7900-6Das Interesse der neueren sozialwissenschaftlichen Debatte an so genannten "weichen Variablen" wie Sozialkapital oder Vertrauen ist auffällig und bietet weiten Raum für zeitdiagnostische Deutungen. Auch wenn die einschlägigen Diskussionen keine einheitliche Begrifflichkeit aufweisen, so überwiegt doch das Verständnis, die jeweiligen Konzepte in einer makrotheoretischen Perspektive auf das Problem gesellschaftlicher Integration zuzuschneiden. Von dieser Sichtweise, die - wie schon Simmel und nachdrücklich Luhmann - Vertrauen primär als systemsynthetisierende Ressource auffassen, weicht dieser Sammelband in zweierlei Hinsichten ab. Es geht hier einerseits um eine an der internen Beziehung zwischen politischen Verfahren und Vertrauen in Politik ansetzenden demokratietheoretischen Präzisierung des Begriffs. Da dieser Zusammenhang andererseits jedoch auf den "Eigensinn der Genese und Stabilisierung von Vertrauensbeziehungen" verweist (13), stehen vor allem Aspekte der aus (personalen) Interaktionsverhältnissen erwachsenden "Mikro-Fundierungen demokratischer Politik" (16) im Fokus der Beiträge. Dabei orientieren sich durchaus nicht alle Autoren - wie der Herausgeber - am deliberativen Demokratiemodell; neben eher ideengeschichtlichen Ansätzen (Niesen; Schmidt) sind auch solche der Entscheidungstheorie (Zintl; Baurmann / Lahno) oder der empirischen Politikforschung (Gabriel / Kunz; Benz) vertreten. Der Band beruht auf einer im Mai 2000 in Bamberg veranstalteten Tagung der genannten Sektion.
Inhalt: Rainer Schmalz-Bruns: Vertrauen in Vertrauen? Ein konzeptueller Aufriß des Verhältnisses von Politik und Vertrauen (9-35). I. Theoretische Grundlagen: Ute Frevert: Vertrauen in historischer Perspektive (39-59); Harald Wenzel: Vertrauen und die Integration moderner Gesellschaften (61-76); Martin Hartmann: Vertrauen als demokratische Erfahrung (77-98); Peter Niesen: Vertrauen - eine Kantische Sicht (99-123); Sandra Seubert: Wohlwollen und Vertrauen - moralische Grundlagen der Politik? (125-142); Thomas M. Schmidt: Vertrauen und Anerkennung. Hegels Konzept politischer Vertrauensbildung (143-153). II. Kontexte politischer Vertrauensbildung: Markus Daniel Zürcher: Soziale Gerechtigkeit, Solidarität und politisches Vertrauen (157-170); Reinhard Zintl: Rationalität und Moralität politischen Vertrauens (171-190); Michael Baurmann / Bernd Lahno: Vertrauen, Kooperation und große Zahlen (191-220); Gerhard Göhler: Stufen des politischen Vertrauens (221-238). III. Empirische Anwendungen: Hans-Werner Bierhoff: Politisches Vertrauen: Verschiedene Dimensionen, verschiedene Ebenen der Betrachtung (241-253); Oscar W. Gabriel / Volker Kunz: Die Bedeutung des Sozialkapital-Ansatzes für die Erklärung politischen Vertrauens (255-274); Arthur Benz: Vertrauensbildung in Mehrebenensystemen (275-291).
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.42 | 5.33 | 5.41 | 2.23
Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Rainer Schmalz-Bruns / Reinhard Zintl (Hrsg.): Politisches Vertrauen. Baden-Baden: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17161-politisches-vertrauen_19742, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19742
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Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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