/ 18.06.2013
Hans-Jürgen Lange / Jean-Claude Schenck
Polizei im kooperativen Staat. Verwaltungsreform und Neue Steuerung in der Sicherheitsverwaltung
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2004 (Studien zur Inneren Sicherheit 6); 462 S.; brosch., 39,90 €; ISBN 3-531-14243-7Reformen der öffentlichen Verwaltung folgten in den letzten Jahren meist dem New Public Management (NPM) oder dem Neuen Steuerungsmodell (NSM) und damit eher ökonomisch ausgerichteten Konzepten. Die Grenzen solcher Modelle zeigen sich insbesondere dann, wenn sie im Politikfeld innere Sicherheit auf die regulative und eingreifende Verwaltung angewendet werden. Lange und Schenck entwickeln daher einen politikwissenschaftlich begründeten, an der Realität orientierten „politikfeldorientierten Staats- und Verwaltungsansatz“. Wesentliche Unterschiede zu mikroökonomisch orientierten Vorstellungen sind die sorgfältige Bestimmung der Staatsaufgaben, die Berücksichtigung der „Voraussetzungen und Bedingungen politischer Steuerung“, „die demokratische Beteiligung“ sowie ein „Policy-Modell des Verwaltungshandelns“ (28). Auf der Basis dieser vier Kriterien analysieren die Autoren im Folgenden NSM als auf der Mikroebene angesiedeltes Reformmodell und die Konzeptionen des schlanken Staates, des funktionalen Staates sowie des aktivierenden Staates als die drei wesentlichen Konzeptionen auf der Makroebene. Ein Überblick über Polizeireformen im Bund und in allen Bundesländern zeigt, dass die Vielfalt der verfolgten Strategien und Ziele groß ist. „Von in sich schlüssigen, an einer Staatskonzeption ausgerichteten und auf die Besonderheiten der Polizei zugeschnittenen Reformen kann insgesamt nicht gesprochen werden.“ (189) Die konkreten Ziele, Strategien und Auswirkungen von Verwaltungsreformen im Bereich der Polizei werden für das Land Nordrhein-Westfalen einer detaillierten Analyse unterzogen, die sich auf zahlreiche Experteninterviews und teilnehmende Beobachtung stützt. Abschließend entwickeln Lange und Schenck ein Reformmodell für die Polizei im kooperativen Staat, das „sowohl [eine Alternative] zum klassischen Bürokratiemodell als auch zum betriebsökonomischen Neuen Steuerungsmodell“ (419) darstellt.
Julia von Blumenthal (JB)
Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
Rubrizierung: 2.32 | 2.322 | 2.325 | 2.343
Empfohlene Zitierweise: Julia von Blumenthal, Rezension zu: Hans-Jürgen Lange / Jean-Claude Schenck: Polizei im kooperativen Staat. Wiesbaden: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/20038-polizei-im-kooperativen-staat_23339, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 23339
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Prof. Dr., Institut für Sozialwissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin.
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