/ 05.06.2013
Heiner Busch
Polizeiliche Drogenbekämpfung - eine internationale Verstrickung
Münster: Westfälisches Dampfboot 1999; 338 S.; 48,- DM; ISBN 3-89691-452-9Der Autor legt die Ergebnisse des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten und vom "Institut für Bürgerrechte & öffentliche Sicherheit" (Berlin) durchgeführten Forschungsprojekts "Formen und Konsequenzen der internationalen polizeilichen Zusammenarbeit am Beispiel der Bekämpfung des Drogenhandels" vor. In ihnen stellt Busch heraus, daß die internationale Polizeikooperation durch die Drogenproblematik entscheidende Impulse erhielt, sich mittlerweile verselbständigt hat und vor allem administrativ-intern gesteuert wird, was nicht ohne politisch-legitimatorische und rechtsstaatliche Implikationen bleibt: "Die Verlagerung der politischen Entscheidungen über Polizei und der praktischen Polizeikooperation auf eine internationale bzw. zwischenstaatliche Ebene schliesst die national organisierte Öffentlichkeit aus." Dies führt dazu, daß kritische Stimmen der Basis ungehört, die Voraussetzungen der Kooperation, "allen voran die Drogenprohibition selbst" unangetastet und bürgerrechtliche Vorbehalte unberücksichtigt bleiben. Die Lösung heißt: "'more of same' - auch dann, wenn sich die Konzepte längst als unbrauchbar oder schädlich herausgestellt haben" (11). Zur Thematik siehe auch Hartmut Aden: Polizeipolitik in Europa, Opladen/Wiesbaden 1998 (siehe ZPol 3/99: 1.007 ff.).
Inhaltsübersicht: I. Drogenhandel und Drogenbekämpfung - Rekonstruktion einer polizeilichen Debatte: 1. GI's, Gastarbeiter, Gammler - Die Anfänge des "Drogenproblems" in den 60er Jahren; 2. Das Auftauchen der Pyramide - Das gewandelte Bild vom Drogenhandel in den frühen 70er Jahren; 3. Von den 70er zu den 80er Jahren: OK-Diskussion, polizeiliche Modernisierung und vorbeugende Verbrechensbekämpfung; 4. Die Konstruktion des kriminalgeographischen Raumes Europa; 5. Erweiterte Kriminalisierung und/oder Entkriminalisierung. II. Internationale Polizeikooperation - Gremien, Institutionen, Verträge: 1. Das Drogenkontroll-System der Vereinten Nationen; 2. Interpol; 3. Die Weltorganisation für das Zollwesen; 4. Drogenbekämpfung und polizeiliche Zusammenarbeit in Europa - Erste neue Gremien in den 70er Jahren und ihre weitere Entwicklung 94; 5. Die Europäische Gemeinschaft als Bezugspunkt und Rahmen polizeilicher Kooperation; 6. Organisationen und Gremien der Polizeikooperation - eine erste Zwischensumme; 7. Verbindungsbeamte, Ausbildungs- und Ausrüstungshilfe - ein zusammenfassender Exkurs. III. Internationale polizeiliche Zusammenarbeit. Die Praxis grenzüberschreitender und internationaler Kooperation bei Ermittlungen: 1. Information und Intelligence; 2. Operative Methoden.
Detlef Lemke (Le)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 4.45 | 2.21 | 2.263 | 3.5 | 4.3
Empfohlene Zitierweise: Detlef Lemke, Rezension zu: Heiner Busch: Polizeiliche Drogenbekämpfung - eine internationale Verstrickung Münster: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8381-polizeiliche-drogenbekaempfung---eine-internationale-verstrickung_11056, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 11056
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Dipl.-Politologe.
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