/ 21.06.2013
Nayef R. F. Al-Rodhan (Hrsg.)
Potential Global Strategic Catastrophes. Balancing Transnational Responsibilities and Burden-sharing with Sovereignty and Human Dignity
Wien/Berlin: Lit 2009; 321 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 978-3-643-80004-6Der Band geht auf ein Symposium des Genfer Instituts für Sicherheitspolitik im Juni 2008 zurück. Ihm liegt die Annahme zugrunde, dass es eine Reihe von unterschiedlichen Szenarien potenzieller Katastrophen gibt. Würden die Katastrophen tatsächlich eintreten, hätten sie nicht nur erhebliche Konsequenzen für die betroffenen Staaten, sondern würden sich auf das System der internationalen Beziehungen insgesamt auswirken, da durch die weltweiten engen Verflechtungen Kaskadeneffekte zu erwarten wären. Hierzu nehmen Wissenschaftler führender Forschungsinstitute und andere internationale Experten Stellung. Adam Roberts beschreibt den Einfluss von Katastrophen auf die Strategien und politischen Maßnahmen von Staaten. Als Beispiele hierfür nennt er die Schrecken des dreißigjährigen Krieges und der napoleonischen Besatzung, die als Ursprung der Werke von Hugo Grotius und Clausewitz gelten, und den Zweiten Weltkrieg, der zur Gründung der NATO geführt habe. Auch hätte es zunächst der Katastrophe des Massakers von Srebrenica bedurft, um die Vereinten Nationen und die NATO zum gemeinsamen Eingreifen in den Kosovo-Konflikt zu bewegen. Graeme Herd untersucht die Bedeutung von Katastrophen innerhalb des Systems der internationalen Beziehungen. Er erkennt, dass diese gerade den realistischen Ansatz in Bezug auf die Aspekte der Souveränität und der territorialen Integrität betreffen. Daher empfiehlt er den symbiotischen Realismus, der auf einer Idee des Lastenausgleichs beruht, als das am ehesten anwendbare Rahmenwerk zum Management von Katastrophen. Der Schwerpunkt des Bandes liegt allerdings auf der Behandlung konkreter Desaster, wie der Erderwärmung, dem Zusammenbruch des Finanzsystems, einem Energieausfall, einer Pandemie, einem atomaren Unfall oder einem Terroranschlag. Abschließend resümiert Alyson Bailes, dass trotz der supranationalen Natur von Katastrophen der Nationalstaat immer noch der entscheidende Faktor bei ihrer Bewältigung bleibe und dies nicht nur aufgrund seiner gesetzgeberischen Kompetenz, sondern auch wegen seiner demokratischen Kontrollfunktion.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 4.1 | 4.42 | 4.43 | 4.45
Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Nayef R. F. Al-Rodhan (Hrsg.): Potential Global Strategic Catastrophes. Wien/Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31140-potential-global-strategic-catastrophes_37034, veröffentlicht am 13.10.2009.
Buch-Nr.: 37034
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Politikwissenschaftlerin.
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