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/ 11.06.2013
Robert Greene

Power. Die 48 Gesetze der Macht. Aus dem Amerikanischen von Hartmut Schickert und Birgit Brandau. Ein Joost-Elffers-Buch

München/Wien: Carl Hanser Verlag 1999; 535 S.; geb., 49,80 DM; ISBN 3-446-19759-1
Das Buch, im Verlagstext als "Machiavelli des 21. Jahrhunderts" bezeichnet, versteht sich als praktischer Ratgeber für Menschen "auf dem Weg zur Macht". Greene plädiert dafür, die zentrale Bedeutung, die dem Spiel mit der Macht im menschlichen Dasein zukomme, anzuerkennen, statt "gegen das Unvermeidliche anzukämpfen" (19), und legt für unsere heutige Zeit, in der alles "zivilisiert, anständig, demokratisch und fair erscheinen" (17) müsse, "eine Art Handbuch für die Kunst des indirekten Vorgehens" (23) vor. Statt explizit eine Definition zu formulieren, entwickelt Greene sein Bild des Spiels mit der Macht anhand zahlreicher historischer Beispiele, aus denen er seine 48 Gesetze der Macht generiert, die er als "zeitlos und definitiv" (24) bezeichnet. "Macht ist ein soziales Spiel. Um es zu erlernen und zu meistern, müssen sie die Fähigkeit entwickeln, andere Menschen zu studieren und zu verstehen." (23) - Diesem Motto folgend, erzählt Greene zahllose Anekdoten aus den letzten 3000 Jahren der Menschheitsgeschichte, präsentiert ein "Destillat des akkumulierten Wissens aus den Werken der glänzendsten Strategen (Sun-tzu, Clausewitz), Staatsmänner (Bismarck, Talleyrand), Höflinge (Castiglione, Gracián), Verführer (Ninon de Lenclos, Casanova) und Trickbetrüger ('Yellow Kid' Weil)" (23). Es handelt sich nicht um ein wissenschaftliches Buch im engeren Sinne, doch als solches will Greene seine "provozierende Enzyklopädie" (Verlagstext), die sich sowohl in den USA als auch im Rest der Welt den Auflagen zufolge einer großen Beliebtheit erfreut, auch nicht verstanden wissen. Die Quellen der zahlreichen wörtlichen Zitate sind im Anhang aufgelistet, ohne dass irgendwo die genauen Fundstellen angegeben werden. Dass damit eine wissenschaftliche Überprüfung der historischen Darstellungen Greenes zumindest sehr erschwert wird, schürt den beim Lesen sowieso schon entstehenden Verdacht, dass hier die historische Genauigkeit gern einer guten Pointe geopfert wird. Über den Autor heißt es im Verlagstext, er habe nach dem Studium der klassischen Literatur und Komparatistik in den USA jahrelang in England, Frankreich, Italien und Spanien gelebt und als Redakteur des Esquire und anderer Zeitschriften gearbeitet, ebenso mehrere Jahre als Drehbuchautor in Hollywood. Heute lebe er als Autor, Dramatiker und Übersetzer in Los Angeles. Greene ist es gelungen, ein äußerst vergnüglich zu lesendes Buch zu schreiben, das vor allem durch seine unkonventionelle Perspektive überzeugt. Inhaltsübersicht: Gesetz 1: Stelle nie den Meister in den Schatten; Gesetz 2: Vertraue Deinen Freunden nie zu sehr - Bediene Dich Deiner Feinde; Gesetz 3: Halte Deine Absichten stets geheim; Gesetz 4: Sage immer weniger als nötig; Gesetz 5: Ohne einen guten Ruf geht nichts - Schütze ihn mit allen Mitteln; Gesetz 6: Mache um jeden Preis auf Dich aufmerksam; Gesetz 7: Lass andere für Dich arbeiten, doch streiche immer die Anerkennung dafür ein; Gesetz 8: Lass die anderen zu Dir kommen - Ködere sie, wenn es nötig ist; Gesetz 9: Taten zählen, nicht Argumente; Gesetz 10: Ansteckungsgefahr: Meide Unglückliche und Glücklose; Gesetz 11: Mache Menschen von Dir abhängig; Gesetz 12: Entwaffne Dein Opfer mit gezielter Ehrlichkeit und Großzügigkeit; Gesetz 13: Brauchst Du Hilfe, appelliere an den Eigennutz; Gesetz 14: Gib Dich wie ein Freund, aber handle wie ein Spion; Gesetz 15: Vernichte Deine Feinde vollständig; Gesetz 16: Glänze durch Abwesenheit, um Respekt und Ansehen zu erhöhen; Gesetz 17: Versetze andere in ständige Angst: Kultiviere die Aura der Unberechenbarkeit; Gesetz 18: Baue zu Deinem Schutz keine Festung - Isolation ist gefährlich; Gesetz 19: Mache Dir klar, mit wem Du es zu tun hast: Kränke nicht die Falschen; Gesetz 20: Scheue Bindungen, wo immer es geht; Gesetz 21: Spiele den Deppen, um Deppen zu überlisten: Gib Dich dümmer als Dein Opfer; Gesetz 22: Ergebe Dich zum Schein: Verwandle Schwäche in Stärke; Gesetz 23: Konzentriere Deine Kräfte; Gesetz 24: Spiele den perfekten Höfling; Gesetz 25: Erschaffe Dich neu; Gesetz 26: Mache Dir nicht die Finger schmutzig; Gesetz 27: Befriedige das menschliche Bedürfnis, an etwas zu glauben, und fördere einen Kult um Deine Person; Gesetz 28: Packe Aufgaben mutig an; Gesetz 29: Plane alles bis zum Ende; Gesetz 30: Alles muss ganz leicht aussehen; Gesetz 31: Lass andere mit den Karten spielen, die Du austeilst; Gesetz 32: Spiele mit den Träumen der Menschen; Gesetz 33: Für jeden gibt es die passende Daumenschraube; Gesetz 34: Handle wie ein König, um wie ein König behandelt zu werden; Gesetz 35: Meistere die Kunst des Timings; Gesetz 36: Vergiss, was Du nicht haben kannst: Es zu ignorieren ist die beste Rache; Gesetz 37: Inszeniere packende Schauspiele; Gesetz 38: Denke, was Du willst, aber verhalte Dich wie die anderen; Gesetz 39: Schlage Wellen, um Fische zu fangen; Gesetz 40: Verschmähe das Gratisangebot; Gesetz 41: Trete nicht in die Fußstapfen eines großen Mannes; Gesetz 42: Erschlage den Hirten, und die Schafe zerstreuen sich; Gesetz 43: Arbeite mit Herz und Geist der anderen; Gesetz 44: Halte anderen den Spiegel vor; Gesetz 45: Predige notwendigen Wandel, aber ändere nie zuviel auf einmal; Gesetz 46: Sei nie zu perfekt; Gesetz 47: Schiesse nie über das Ziel hinaus: Der Sieg ist der Zeitpunkt zum Aufhören; Gesetz 48: Strebe nach Formlosigkeit.
Tanja Pritzlaff (TP)
Dipl.-Politologin, wiss. Mitarbeiterin, Zentrum für Sozialpolitik, Universität Bremen.
Rubrizierung: 5.12.12.2 Empfohlene Zitierweise: Tanja Pritzlaff, Rezension zu: Robert Greene: Power. München/Wien: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10180-power_12041, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 12041 Rezension drucken
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