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/ 22.06.2013
Cora Ziegenbalg

Präferenzwandel in komplexen supranationalen Organisationen. Eine theoriegeleitete Untersuchung am Beispiel der Europäischen Kommission und der Entwicklung einer Emissionshandelsrichtlinie

Online-Publikation 2010 (http://tobias-lib.uni-tuebingen.de/volltexte/2010/4640/pdf/Dissertation_Ziegenbalg.pdf); XIII, 329 S.
Diss. Tübingen; Gutachter: G. Abels, D. Cansier. – Die Autorin beobachtet eine Abkehr von „rein intergouvermentalen Kooperationen hin zu einer stärkeren Einbeziehung supranationaler und internationaler Organisationen sowie transnationaler Politiknetzwerke“ (1). Dieser Präferenzwandel bei internationalen Organisationen und komplexen supranationalen Akteuren habe ein verstärktes wissenschaftliches Interesse hervorgerufen, so Ziegenbalg. Sie überprüft nun den Erklärungswert von Theorien, die sich mit dem Präferenzwandel beschäftigen und fragt, ob diese erklären können, warum komplexe Organisationen trotz unterschiedlicher Interessenlagen dazu imstande sind, Präferenzen neu zu formulieren. Als Grundlage ihrer Analyse wählt sie den konstruktivistischen Ansatz von Nielson u. a., der Aspekte der Organisationstheorie von Barnett und Finnemore integriert. Anhand des Fallbeispiels der Europäischen Kommission und ihrem Präferenzwandel hinsichtlich der Einführung des Emissionshandelsystems überprüft die Autorin die Erklärkraft des von Nielson angenommenen Einflusses einer sogenannten Verwaltungskultur bei Präferenzänderungen in komplexen Mehrebenenorganisationen. So hatte sich das in der Europäischen Kommission für den Emissionshandel zuständige Team direkt nach der Kyoto‑Konferenz mit der Möglichkeit eines neuen klimapolitischen Instruments beschäftigt und dabei sehr schnell den Emissionshandelsmechanismus ins Auge gefasst. Ziegenbalg bestätigt den Erklärwert des von ihr getesteten Theoriemodells. Der Ansatz von Nielson ist dazu geeignet, den von äußeren Einflüssen unabhängigen erfolgten Präferenzwandel der Europäischen Kommission zu erklären. Allerdings bleiben noch Fragen in Bezug auf die Wirkungsweise von Verwaltungskulturen auf Mitarbeiter komplexer supranationaler Organisationen wie der Europäischen Union.
Marinke Gindullis (MG)
Politikwissenschaftlerin.
Rubrizierung: 3.53.34.1 Empfohlene Zitierweise: Marinke Gindullis, Rezension zu: Cora Ziegenbalg: Präferenzwandel in komplexen supranationalen Organisationen. 2010, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/32745-praeferenzwandel-in-komplexen-supranationalen-organisationen_39110, veröffentlicht am 24.08.2010. Buch-Nr.: 39110 Rezension drucken
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