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/ 18.06.2013
Michail Ryklin

Räume des Jubels. Totalitarismus und Differenz. Essays. Aus dem Russischen von Dirk Uffelmann

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2003; 237 S.; 12,- €; ISBN 3-518-12316-5
Ryklin nimmt in den hier versammelten Essays eine Aufnahme und Revision der Totalitarismustheorie vor. Ausgangspunkt ist die Infragestellung der Identifizierung der sowjetischen und nationalsozialistischen Herrschaft. Hatte Hannah Arendt behauptet, im totalitären Staat würde die Gesellschaft atomisiert, zeigt Ryklin für die UdSSR mit ihren universalistischen Ambitionen, wie die allgegenwärtige Angst in das kollektivierende Band des Entsetzens umschlägt und schließlich die Form des Jubels annimmt, der den nichttotalitären Außenseitern wie den Herrschenden bloße Zustimmung suggerieren mag. Die Virtualität des Totalitarismus, der die Außenwelt für seine Bevölkerung negieren muss, aber sie dennoch braucht, schildert Ryklin ausgezeichnet anhand des Diskurses über die Moskauer Metro. Für Ryklin ist die Totalitarismustheorie selbst Teil des Publikums. Indem sie glaubt, aus sicherer Distanz das Spektakel analysieren zu können, degradiert sie es zum bloßen „Schlaf der Vernunft", anstatt der Verknüpfung von Symbolen, Institutionen und Mikromechanismen nachzugehen.
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.422.252.62 Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Michail Ryklin: Räume des Jubels. Frankfurt a. M.: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18938-raeume-des-jubels_21970, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 21970 Rezension drucken
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