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/ 21.06.2013
Rainer Rilling

Risse im Empire

Berlin: Karl Dietz Verlag 2008 (Rosa-Luxemburg-Stiftung: Texte 50); 180 S.; brosch., 14,90 €; ISBN 978-3-320-02159-7
Der Autor nähert sich aus einer linken Perspektive dem Begriff des Imperiums an. Er sieht in ihm mit Blick auf die USA eine hilfreiche Beschreibungs- und Analysekategorie. Seit Jahrhunderten haben Imperien oder Reiche eine zentrale Funktion für das Verständnis von Weltordnung inne gehabt. Gewissermaßen ein Gravitationszentrum darstellend, sind viele politische Fragen ohne sie nicht zu denken. Und die Zeit der Imperien ist noch nicht vorbei, betont Rilling: „Imperiale Ordnungen dauerten einst Jahrhunderte. Sie sind eine grundlegende Institution der politischen Moderne wie des postmodernen Kapitalismus“ (149). In seinen Ausführungen geht es weniger um eine Bilanz der Jahre der Bush-Regierung, sondern im Sinne seines Beschreibungsansatzes um die Entstehung eines Kontinentalimperiums, um die Neuerfindung eines postterritorialen informellen Empires als der heute aktuellen Ausprägungsform imperialer Macht. Diese wird seit drei Jahrzehnten vom Neoliberalismus geprägt. Das Bisherige des „rechtsimperialen Projekts“ (151), das sich durch kapitalistische Entfaltung, Neoliberalismus, Interventionismus und Informalität auszeichnet, gerät jedoch durch die weltpolitischen Verschiebungen unter Druck und wird dem Wandel ausgesetzt, so der Autor. Zum einen ist der Aufstieg oligarchischer Unternehmensordnungen zu beobachten, die zunehmend staatsähnliche Potenzen ausbilden, sich aber den Verpflichtungen und Teilhabekulturen moderner Staaten entziehen, zum anderen steht dem amerikanisch-neoliberalen Imperium ein Alternativmodell gegenüber: „So ist der angloamerikanische Kapitalismus durchaus eine minoritäre Kapitalismusform gegenüber solchen Makroökonomien, die weiterhin durch relativ große Staatsintervention und vergleichsweise größere Gleichheit geprägt sind“. Damit bezieht sich Rilling sowohl auf die europäischen Wohlfahrtsstaaten als auch auf die „asiatischen Entwicklungskapitalismen“ (164). So ist dem Autor zufolge eine Situation mit offenem Ausgang entstanden, in der sich Imperien wandeln und weniger absolut werden, jedoch durchaus weiterhin existieren.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.224.12.64 Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Rainer Rilling: Risse im Empire Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29975-risse-im-empire_35525, veröffentlicht am 18.02.2009. Buch-Nr.: 35525 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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