/ 11.06.2013
Robert Wokler
Rousseau. Aus dem Englischen von Michaela Rehm
Freiburg i. Br./Basel/Wien: Herder 1999 (Herder Spektrum 4735); 186 S.; 16,80 DM; ISBN 3-451-04735-7Der Herder-Verlag macht sich seine im Entstehen begriffene Reihe über die Klassiker politischen Denkens etwas einfacher als die Konkurrenten von Junius: Zu einem guten Teil werden nicht originale Bände in Auftrag gegeben, sondern Übersetzungen aus dem Englischen angefertigt, wie bei dieser erstmals 1995 bei Oxford University Press erschienenen Arbeit aus der Feder eines an der Universität Exeter politische Theorie lehrenden Wissenschaftlers. Dies hat Auswirkungen. So gibt Wokler, was kaum überraschen kann, außer den Quellen praktisch ausschließlich englisch- und französischsprachige Sekundärliteratur an, was auch durch einen Zusatz zur deutschen Ausgabe nicht ausgeglichen werden kann. Denn hier wird zwar auf zwei Seiten der Stand der deutschen Rousseauforschung referiert, aber das ersetzt keine inhaltliche Auseinandersetzung mit ihr, die dem ja schließlich für den deutschen Markt übersetzten Band fehlt. Der essayhaft ohne Anmerkungen fließende Text (Quellennachweise sind integriert) folgt keiner ausschließlich biographisch-historischen oder politikwissenschaftlich-strukturellen Herangehensweise, sondern verknüpft beides. Auf Betrachtungen über "Leben und historischer Hintergrund eines Bürgers von Genf" (9 ff.) folgen "Kultur, Musik und der Verfall der Sitten" (31 ff.). Primär politischen Inhalts sind die Kapitel "Menschliche Natur, und bürgerliche Gesellschaft" (53 ff.) und "Freiheit, Tugend und Bürgersein" (83 ff.). Abgerundet wird der Band durch die Abschnitte "Religion, Erziehung und Sexualität" (117 ff.) und "Träumereien eines Ruhelosen" (151 ff.). Befremdlich wirkt, daß im Register die Begriffe "allgemeiner Wille" oder "volonté générale" nicht vorkommen. Im Text ist zwar kurz vom Gemeinwillen (99 f.) die Rede, aber diese Erwähnung beschränkt sich wesentlich auf eine Wiedergabe der Gedanken Rousseaus, ohne das Schwergewicht auf die Interpretation zu legen. Es ist fraglich, ob Studienanfänger, an die sich diese Reihe doch wohl primär richtet, den Gedankengängen ohne weiteres folgen können.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.33
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Robert Wokler: Rousseau. Freiburg i. Br./Basel/Wien: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9296-rousseau_12220, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 12220
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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