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/ 21.06.2013
Jan Philipp Spannuth

Rückerstattung Ost. Der Umgang der DDR mit dem "arisierten" Eigentum der Juden und die Rückerstattung im wiedervereinigten Deutschland

Essen: Klartext 2007; 255 S.; 27,90 €; ISBN 978-3-89861-656-0
Wiedergutmachung und Rückerstattung sind ein wesentlicher Bestandteil der Nachkriegsaufarbeitung in der Bundesrepublik. Spannuth hingegen setzt sich das Ziel, mit der Betrachtung der Rückerstattungsthematik in der DDR nicht nur die Aufarbeitung im anderen Teil Deutschlands zu untersuchen, sondern auch zumindest zwei Lücken in der Forschung zu schließen: Zum einen befasst sich der Autor mit den inneren Entscheidungsprozessen in der SED, die zur Ablehnung der Rückerstattung an enteignete Besitzer „jüdischen Eigentums“ (10) führten; zum anderen zeichnet er historisch die Bearbeitung der Rückerstattungsfragen in den neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung nach. Mit dem thüringischen Rückerstattungsgesetz zur Zeit der DDR und der Rückerstattungspraxis im Ostsektor Berlins wird auch den Abweichungen von der offiziellen SED-Parteilinie Aufmerksamkeit geschenkt. Spannuth schlussfolgert, dass die Sowjetunion die Wiedergutmachung in der Ostzone nicht von vornherein blockierte und die ausbleibende Rücküberführung enteigneten Vermögens hauptsächlich in der Verantwortung der politischen Spitze der DDR liegt. Die Ursache dafür ist nicht nur in der höheren Bewertung des Kollektivs gegenüber dem Individuum zu finden. Die SED betrachtete die zuvor Enteigneten auch als neue „Klassenfeinde“ der „sozialistischen Gesellschaft“, sodass die antisemitische Neigung der SED einer Rückerstattung im Wege stand. Nachdem die Wiedergutmachungsfrage für den Osten Deutschlands im Vereinigungsvertrag festgelegt wurde, ging die Bundesregierung auch die bisher vernachlässigte Rückerstattung und Entschädigung der Zwangsarbeiter im Osten Deutschlands an. Spannuth bewertet diese Umsetzung als sehr positiv und konstatiert: „[m]it der ‚Rückerstattung Ost’ wurde eines der letzten Kapitel postnationalsozialistischer Vergangenheitspolitik abgeschlossen“ (240).
Jost Wübbeke (JW)
Student, Lehrstuhl für Internationale Politik, Ruhr-Universität Bochum.
Rubrizierung: 2.3142.3152.35 Empfohlene Zitierweise: Jost Wübbeke, Rezension zu: Jan Philipp Spannuth: Rückerstattung Ost. Essen: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27702-rueckerstattung-ost_32533, veröffentlicht am 28.03.2008. Buch-Nr.: 32533 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA