/ 22.06.2013
Farida Akther
Samenkörner sozialer Bewegungen. Frauenbewegungen und andere Bewegungen in Bangladesh und weltweit. Hrsg. von Maria Mies, übersetzt von Irene Hagemeister und Eva Igelmund
Freiburg: Centaurus Verlag 2011 (Frauen, Gesellschaft, Kritik 52); 339 S.; 22,80 €; ISBN 978-3-86226-032-4Farida Akther ist Geschäftsführerin der 1984 gegründeten bangladeschischen Forschungseinrichtung UBINIG (Organisation zur alternativen Entwicklungsforschung) und engagiert sich in verschiedenen Netzwerken der internationalen Frauenbewegung. Schon früh hat sie auf die tragischen Folgen der mit dem Begriff Grüne Revolution bezeichneten Technisierung und Kapitalisierung der Landwirtschaft in den Ländern des Südens für die kleinbäuerlichen Gemeinschaften – wie die Zerstörung kleinbäuerlicher Existenzen, die Missachtung der Rolle der Frauen oder den Verlust an Biodiversität – aufmerksam gemacht. „Ohne die Kontrolle über das Saatgut kann eine Bauerngemeinschaft nicht überleben. Die Frauen sind diejenigen, die den Samen aufbewahren, vermehren und zum Keimen bringen. Verliert der Haushalt das Saatgut, bedeutet das auch, dass die Frauen Macht verlieren.“ (165) Diese Erfahrungen haben dazu geführt, dass vielerorts Initiativen für den Erhalt von Nahrungssouveränität und für den (Wieder-)Aufbau einer ökologischen Landwirtschaft ins Leben gerufen wurden. Akther erzählt von diesen Bewegungen und Strategien gegen den herrschenden Entwicklungsdiskurs im Zeichen der Globalisierung. Die Entwicklungen in Bangladesch dienen ihr als Ausgangspunkt für die Erörterung grundsätzlicher Zusammenhänge zwischen Armut, der Ausbeutung von Frauen, Unterentwicklung und Kapitalismus. Akther setzt sich kritisch mit Bevölkerungspolitik, Menschenhandel und der „Militarisierung des globalen Freihandels“ (17) auseinander. Mit deutlichen Worten protestiert sie gegen den herrschenden Entwicklungsdiskurs. „Die Entwicklungsgurus lieben es, Menschen als arm und Regionen als unterentwickelt zu bezeichnen. Diese Terminologie wird produziert, weil sie geeignet ist, den Interessen derjenigen zu dienen, die unaufhörlich Armut und Unterentwicklung verursachen.“ (75) Kritik erfährt auch die neuerdings als Wundermittel gegen Armut eingesetzte Mikrokreditfinanzierung; sie führe zur Feminisierung der Verschuldung und sei als „neueste Entwicklungskatastrophe“ (125) zu betrachten. Aus ihrem kapitalismuskritischen Blickwinkel erweisen sich Entwicklung, Demokratie und Demografie als ein „Trio der Herrschaft und Zerstörung“ (85). Neben Forschungspapieren basiert das Buch auf Manuskripten für Konferenzvorträge und Zeitungsartikeln der Autorin, was die teils zugespitzten Formulierungen und gelegentlichen Wiederholungen erklären mag. Insgesamt bietet der Band allen, die sich mit Fragen der Entwicklungspolitik und den Perspektiven für eine gerechte Welt befassen, Nachdenkenswertes aus der Perspektive des Südens.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.68 | 2.22 | 2.27 | 2.262 | 2.263 | 4.42 | 4.44 | 4.43
Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Farida Akther: Samenkörner sozialer Bewegungen. Freiburg: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33699-samenkoerner-sozialer-bewegungen_40361, veröffentlicht am 20.10.2011.
Buch-Nr.: 40361
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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