/ 11.06.2013
Gudrun Hentges
Schattenseiten der Aufklärung. Die Darstellung von Juden und "Wilden" in philosophischen Schriften des 18. und 19. Jahrhunderts
Schwalbach/Ts.: Wochenschau Verlag 1999 (Studien zu Politik und Wissenschaft); 298 S.; 58,- DM; ISBN 3-87920-485-3Politikwiss. Diss. Marburg; Gutachter: R. Kühnl. - Die Arbeit untersucht in ihrem Hauptteil in zwei symmetrisch aufgebauten Kapiteln die französischen und deutschen Aufklärungsdiskurse in bezug auf die "Behandlung der 'Judenfrage' im Spannungsfeld zwischen religiöser Toleranz, Antijudaismus und Antisemitismus" (31), bzw. auf "Die 'Wilden' - Teil der biblischen Schöpfungsgeschichte, 'missing link', anzustrebender Naturzustand oder Repräsentanten der steckengebliebenen Vernunft" (162). In beiden Teilen werden nacheinander die Gedanken von Voltaire, Rousseau, von Diderot und den Enzyklopädisten, Kant, Fichte und Hegel vorgestellt. Einen zentralen Unterschied sieht die Autorin in der stärkeren laizistischen Ausrichtung der französischen Aufklärung, während in der deutschen Variante die Rolle des Christentums als Leitreligion ihrer Ansicht nach unangetastet bleibe. Gleichzeitig finde man aber bereits ausgangs des 18. Jahrhunderts Vorformen des späteren, rassisch orientierten Antisemitismus (155). In den Darstellungen des "Wilden" findet die Autorin durchweg rassistische Grundgedanken in den Schriften der von ihr untersuchten Philosophen. Die Hierarchisierung der Rassen mache zugleich auch die Grenzen des aufklärerischen Gleichheitspostulats deutlich und verweise damit bereits voraus in das späte 19. Jahrhundert.
Michael Dreyer (MD)
Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.33
Empfohlene Zitierweise: Michael Dreyer, Rezension zu: Gudrun Hentges: Schattenseiten der Aufklärung. Schwalbach/Ts.: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11120-schattenseiten-der-aufklaerung_13143, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 13143
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Prof. Dr., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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