/ 18.06.2013
Sebastian Haffner
Schreiben für die Freiheit. 1942 bis 1949: Als Journalist im Sturm der Ereignisse. Hrsg. von Rainer Nitsche. Aus dem Englischen von Sigrid Ruschmeier
Berlin: :Transit 2001; 231 S.; geb., 19,50 €; ISBN 3-88747-169-5Zum ersten Mal erscheinen Haffners Artikel, die im Londoner "Observer" zwischen 1942 und 1949 veröffentlicht wurden, in deutscher Sprache. Wie seine anderen Werke stellt dieses Buch ein wichtiges Zeitzeugnis und eine scharfe politische Analyse dar: Porträts, beispielsweise von Hitler und Goebbels, Überlegungen zur Kriegslage in Europa, zum Kriegsende, zum Umgang mit den Nationalsozialisten und zur Politik nach dem Krieg sind "politisch auf die Spitze getriebene Meinung und Geschichtsschreibung in einem" (229). Außerdem finden sich auch Artikel zum Kalten Krieg, zur Bildung zweier deutscher Staaten und wiederum Porträts; diesmal u. a. von Louise Schröder, Kurt Schumacher und Konrad Adenauer. Die Artikel beziehen Position zu wichtigen Stationen der Kriegs- und Nachkriegssituationen, ob deutsch oder europäisch. Sie enthalten überraschende und oftmals zutreffende Prognosen und lehren den Leser, dass die welthistorische Entwicklung von damals viel mehr Optionen bot, als wir heute glauben wollen. Der Herausgeber Nitsche schreibt treffend in seinem Nachwort: "[E]r verband politische Leidenschaft mit strategischer Logik, ein nie erlahmendes Interesse an deutschen Fragen mit literarisch fundierter Weltläufigkeit - und er verfügte über eine Sprache [...], die sich geschmeidig zwischen Polemik, Ironie, kalter Analyse und sensiblen Beobachtungen bewegen konnte." (228)
Aus dem Inhalt: 1942 bis 1945: Heinrich Himmler; Was Deutschland vorhat; Der Versuch der Nazis, die Niederlage zu unterlaufen; Hitler: Wahnsinn oder Methode?; Die alten Mächte und ihre neue Niederlage. 1946 bis 1949: Die UNO und die Großmächte; Die Zonen Deutschlands; Amerikas neue Grenzen; Eine Union: Jetzt oder nie; Die amerikanische Gefahr; Russland in Deutschland.
Christiane J. Fröhlich (CJF)
Dr., Soziologie mit Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Hamburg.
Rubrizierung: 2.3 | 2.35 | 2.312
Empfohlene Zitierweise: Christiane J. Fröhlich, Rezension zu: Sebastian Haffner: Schreiben für die Freiheit. Berlin: 2001, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17095-schreiben-fuer-die-freiheit_19662, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 19662
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Dr., Soziologie mit Schwerpunkt Friedens- und Konfliktforschung, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik, Hamburg.
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