/ 22.06.2013
Ivan Nagel
Schriften zur Politik
Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2012; 294 S.; 26,95 €; ISBN 978-3-518-42310-3Ivan Nagel, der 2012 verstorbene Theaterwissenschaftler, Intendant und Kulturkorrespondent, hat sich trotz seiner Leidenschaft für Theater und Musik auch mit konkreten politischen Fragen auseinandergesetzt. Insbesondere die Teilung und Wiedervereinigung Deutschlands, Kriege und ihre (vermeintlichen) Rechtfertigungen sowie die US-amerikanische Politik sind Themen, zu denen Nagel öffentlich Stellung bezog. In den nun publizierten Schriften zur Politik sind Nagels mündliche und schriftliche Interventionen gesammelt und mit Kommentaren versehen, die die Entstehungszeit sowie den Veröffentlichungs(hinter)grund näher erläutern und die Ansicht des Autors prägnant zusammenfassen. Einige im Band aufgenommene Artikel berühren jedoch nur mittelbar eine politische Ebene. So macht Nagel beispielsweise in seinem im Schiller-Theater gehaltenen Referat „Gibt es eine Alternative?“ auf den seiner Ansicht nach sehr unbefriedigenden Zustand des Theaters und seine drohende Schließung aufmerksam, bindet aber diese Ausführungen nicht ausführlich an (kultur)politische Institutionen oder Strukturen zurück. Andere Artikel spiegeln den politischen Impetus dagegen explizit und machen Nagels klare Position deutlich: Aufgrund der eskalierenden Gewalt zwischen Israel und Palästinensern 2002 schlägt der jüdische Theaterwissenschaftler Nagel das zunächst zugesagte Kennenlernen des israelischen Botschafters „aus Gründen des politischen Urteils und des persönlichen Gewissens“ (181) aus. Nagels Ansicht nach ist der von Israel proklamierte Krieg „nicht nur ein dummer, sondern auch ein ungerechter Krieg. Es ist ein Krieg, der die Gewalt gegen Unschuldige zu verhindern vorgibt – in Wahrheit aber solche Gewalt selber ausübt und (auf beiden Seiten) endlos vermehren wird“ (182). Auch den Nagels Ansicht nach völkerrechtswidrigen Einsatz deutscher Streitkräfte in Afghanistan, für den Kanzler Schröder durch die gestellte Vertrauensfrage eine Mehrheit im Parlament bekam, lehnt Nagel vehement ab: „Unrecht war […] vom Kanzler, nicht zuzulassen, dass jeder nach seiner eigenen, personalen Überzeugung abstimmte. […] Gerade die Entscheidung über Krieg und Frieden steht dem Gewissen zu, nicht dem Fraktionszwang“ (184).
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.1 | 2.23 | 2.35 | 2.63 | 2.64 | 2.61 | 2.343 | 4.41 | 4.1 | 3.5
Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Ivan Nagel: Schriften zur Politik Frankfurt a. M.: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/35164-schriften-zur-politik_42337, veröffentlicht am 31.01.2013.
Buch-Nr.: 42337
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M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
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