/ 19.06.2013
Gottfried Dietze
Schuld und Schulden
Berlin: Duncker & Humblot 2007 (Wissenschaftliche Abhandlungen und Reden zur Philosophie, Politik und Geistesgeschichte 41); 77 S.; 18,- €; ISBN 978-3-428-12161-8Nach zwei totalen Kriegen und zu einer Zeit, in der der internationale Terror um sich greift, sind die Menschen von Schuld und Schuldzuweisungen umgeben, Unsicherheit macht sich breit. Dietze fragt nicht danach, „wer wo recht hat“ (9). Ausgehend von den liberalen Aussagen Kants, Jeffersons und Smiths sowie Nietzsches untersucht er vielmehr die Fragen der Schuld und des Schuldens, des ethisch-moralischen und rechtlichen Sollens. Schuld betrifft das Individuum, Schulden kann aber auch an eine Mehrheit von Menschen gebunden sein. Schulden können abgetragen werden, aber der Mensch wird das Gefühl der Schuld nicht gänzlich ablegen können. Der Autor hält es für verwerflich, dem Volk Schuldgefühle einzutrichtern und diese zu dessen Erpressung zu nutzen. Schuld sei eine Frage des eigenen Gewissens. Schuldaufladung sei hingegen nicht die Aufgabe anderer – zumal wenn die Schuld verjährt sei. Dietze kommt zu dem Schluss, dass man das Verhalten einzelner in Diktaturen lebender Individuen nicht nach Maßstäben der liberalen Demokratien messen solle. Einen Brückenschlag von abstrakten Ausführungen zu konkreten Problemen der Schuld vollzieht der Autor nicht, jedoch kann diese Abhandlung durchaus auch als Anknüpfung an den von ihm formulierten „Hitler-Komplex“ gesehen werden.
Jost Wübbeke (JW)
Student, Lehrstuhl für Internationale Politik, Ruhr-Universität Bochum.
Rubrizierung: 5.44 | 2.23 | 5.33
Empfohlene Zitierweise: Jost Wübbeke, Rezension zu: Gottfried Dietze: Schuld und Schulden Berlin: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21547-schuld-und-schulden_33125, veröffentlicht am 28.03.2008.
Buch-Nr.: 33125
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Student, Lehrstuhl für Internationale Politik, Ruhr-Universität Bochum.
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