/ 21.06.2013
Matthias Theodor Vogt
Serbski ludowy ansambl/Sorbisches National-Ensemble. Eine kulturpolitikwissenschaftliche Analyse. Im Auftrag der Stiftung für das sorbische Volk erarbeitet am Institut für kulturelle Infrastruktur Sachsen
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2008 (Edition kulturelle Infrastruktur 1); 234 S.; brosch., 42,50 €; ISBN 978-3-631-58353-1In dieser umfassenden Studie zum Sorbischen National-Ensemble (SNE) wird in einer Vielzahl von Perspektiven Musik-, Zeit- und Verfassungsgeschichte betrachtet und mit den Anforderungen der Kulturökonomie in Zusammenhang gestellt. Daraus lassen sich letztlich Schlussfolgerungen für die sorbische Kulturförderung als Ganze ziehen. Die Stiftung für das sorbische Volk beauftragte 2007 das Institut für kulturelle Infrastruktur mit der Erstellung von Strukturmodellen für das SNE, die eine mittelfristige Konsolidierung der Einrichtung ermöglichen sollen. Denn der Bund, der neben Sachsen und Brandenburg einen Teil der Finanzierung der Stiftung stellt, hatte seinen Ausstiegswunsch signalisiert. In einer Analyse der Relation von Steueraufkommen und Steuerrückfluss in der Region kommt Vogt zu dem Schluss: „Für die Region gilt ebenso wie für die Sorben, daß der überwiegende Teil der selbstaufgebrachten Steuern nicht an sie zurückfließt.“ (74) Das Beispiel Südtirols mit seinem neunzigprozentigen Rückfluss des Steueraufkommens illustriere hingegen, wie sich innerhalb einer Generation erhebliche Verbesserungen erreichen lassen. Doch der Autor sieht Brandenburg und Sachsen mit den Problemen der Lausitz-Region überfordert. Hinzu kommen jedoch auch interne Probleme des SNE. Eine „fehlende Identifikation“ der Sorben mit ihrem Ensemble und eine „selbstreferentielle Arbeitsstruktur“ (173) des Leitungspersonals stünden einer künstlerischen Entwicklung des Ensembles entgegen. Jedoch wurde die Leitung des SNE in eine künstlerisch anspruchslose und „disneyfizierte Ästhetik“ (221) getrieben, da die Zuschüsse abnahmen und eine Steigerung der Selbsteinspiel-Erträge gefordert wurde. Abschließend macht Vogt deutlich, dass die Finanzierung des sorbischen Kulturlebens zu gering ist. Gemessen am Steueraufkommen müssten deutlich mehr Gelder in die Region fließen, denn „hierin liegen die eigentlichen Wurzeln des Dilemmas des Sorbischen National-Ensembles, sich immer stärker an kommerziellen Parametern orientieren […] zu müssen“ (223).
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.35 | 2.314
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Matthias Theodor Vogt: Serbski ludowy ansambl/Sorbisches National-Ensemble. Frankfurt a. M. u. a.: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31682-serbski-ludowy-ansamblsorbisches-national-ensemble_37750, veröffentlicht am 10.03.2010.
Buch-Nr.: 37750
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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