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/ 21.06.2013
Michel Foucault

Sicherheit, Territorium, Bevölkerung. Geschichte der Gouvernementalität I. Vorlesung am Collège de France 1977-1978. Hrsg. von Michel Sennelart. Aus dem Französischen von Claudia Brede-Konersmann und Jürgen Schröder

Frankfurt a. M.: Suhrkamp 2006 (suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1808); 600 S.; 18,- €; ISBN 978-3-518-29408-6
In seinen beiden Vorlesungen 1978 und 1979 am Collège de France hat Michel Foucault – ausgehend von der Problematik der Bio-Macht – seine Analyse der Sicherheitsgesellschaften fortgeführt. Stand in seinen früheren Arbeiten die Frage der Disziplinierung der Körper im Mittelpunkt, so verschiebt sich hier der Fokus auf die Steuerung der Bevölkerungen. In der ersten Vorlesung, die das Problemdreieck Sicherheit, Territorium, Bevölkerung behandelt, führt Foucault seinen Begriff der Gouvernementalität ein. Damit rückt der Staat in das Analysefeld der Mikromächte – allerdings wird dieser Begriff von Foucault nicht institutionell gefasst. In Analogie zu den Absonderungstechniken der Psychiatrie, den Disziplinartechniken des Strafrechtssystems und der Biopolitik der medizinischen Institutionen ist mit der Gouvernementalität des Staates ein Ensemble von Regierungstechniken bezeichnet, das Foucault u. a. an dem Formenwandel des christlichen Pastorats, der Staatsräson, dem diplomatisch-militärischen System und der Polizei untersucht. Daran anschließend konzentriert sich die zweite Vorlesung auf die Analyse des Liberalismus als der den biopolitischen Steuerungsdispositiven entsprechenden Rationalitätsform. Von einer „Geburt der Biopolitik“ spricht Foucault, weil mit dem Aufkommen der politischen Ökonomie über den Markt vermittelte Formen der Begrenzung der öffentlichen Gewalt entstehen. Paradigmatisch ist dabei die liberale Regierungskunst, die sich an der Paradoxie abarbeitet, durch staatliche Interventionen das System der individuellen Freiheit zu garantieren und zu vermehren. Foucault setzt sich in dieser Perspektive mit unterschiedlichen Varianten des Liberalismus (Ordo-Liberalismus, amerikanischer Neoliberalismus) und schließlich mit dem Modell des homo oeconomicus auseinander. Bei der Publikation handelt es sich um eine kritische Edition der Vorlesungen, die weitgehend den vorgetragenen Text beibehält. Im Anmerkungsapparat werden die von Foucault verwendeten Textbezüge nachgewiesen und erläutert. Schließlich kommentiert der Herausgeber in einem Nachwort den biographischen, ideologischen und politischen Kontext der Vorlesungen.
Thomas Mirbach (MIR)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Lawaetz-Stiftung Hamburg, Lehrbeauftragter, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.42 Empfohlene Zitierweise: Thomas Mirbach, Rezension zu: Michel Foucault: Sicherheit, Territorium, Bevölkerung. Frankfurt a. M.: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27110-sicherheit-territorium-bevoelkerung_31655, veröffentlicht am 16.08.2007. Buch-Nr.: 31655 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA