/ 21.06.2013
Marita Krauss (Hrsg.)
Sie waren dabei. Mitläuferinnen, Nutznießerinnen, Täterinnen im Nationalsozialismus
Göttingen: Wallstein Verlag 2008 (Dachauer Symposium zur Zeitgeschichte 8); 261 S.; brosch., 20,- €; ISBN 978-3-8353-0314-0Dass Frauen in der NS-Diktatur nicht per se Opfer oder nur willfährige Instrumente waren, ist in der neueren NS-Täterforschung inzwischen Konsens. Inwieweit Frauen aus eigenständigen Motivlagen und Interessen agierten und so je nachdem zu Mitläuferinnen, Nutznießerinnen und Täterinnen des Regimes werden konnten, davon handeln die recht unterschiedlichen Beiträge des von der Augsburger Historikerin Krauss herausgegebenen Bandes. So werden u. a. durch die Analyse der Mütterratgeber Johanna Haarers oder mit der Darstellung der Rolle der Hebammen der Komplex „deutsche Frau und Mutter“ beleuchtet. Weitere Beiträge beschäftigen sich mit dem „Einsatz“ von Frauen im besetzten Osten, mit der Reichsfrauenführerin Scholtz-Klink, weiblichen Gestapo-Angehörigen und Aufseherinnen in Konzentrationslagern. Abschließend nehmen zwei Beiträge exemplarisch den Umgang mit Täterinnen durch die Nachkriegsjustiz in den Blick. Insgesamt zeigen die Beiträge, wie fruchtbar sich die Einbeziehung der Kategorie Geschlecht in die NS-Forschung erweisen kann und wie sich auch dieses Forschungsfeld inzwischen ausdifferenziert hat. Der interdisziplinäre Band – ein Viertel der Beiträge entstammt den Federn von Politikwissenschaftlerinnen – geht auf das achte Dachauer Symposium zur Zeitgeschichte im Oktober 2007 zurück.
Christoph Kopke (CKO)
Dr. phil., Dipl.-Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelsohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Universität Potsdam.
Rubrizierung: 2.312 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Christoph Kopke, Rezension zu: Marita Krauss (Hrsg.): Sie waren dabei. Göttingen: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29744-sie-waren-dabei_35229, veröffentlicht am 07.11.2008.
Buch-Nr.: 35229
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Dr. phil., Dipl.-Pol., wiss. Mitarbeiter, Moses Mendelsohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien, Universität Potsdam.
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