/ 17.06.2013
Christian Angermeir
Sklaven des Gesetzes. Politische und philosophische Implikationen des platonischen Begriffs der Sklaverei
Berlin: Duncker & Humblot 2008 (Beiträge zur Politischen Wissenschaft 148); 276 S.; 69,80 €; ISBN 978-3-428-12577-7Diss. Duisburg-Essen; Gutachter: C.-E. Bärsch. – Die antike Unterscheidung zwischen oikos und polis, dem privaten und dem öffentlichen Raum, bedingt ein System des Dienens und Herrschens im Haus, denn nur der freie Bürger kann sich an politischen Entscheidungen beteiligen. Die platonische Unterscheidung der menschlichen Seele in der „Politeia“ in einen vernunftbegabten, muthaften und begehrenden Teil bestimmt nicht nur die Differenz zwischen Mensch und Tier, sondern auch zwischen Herr und Diener. Angermeir arbeitet das platonische Bild der Natur der Seele als eine chronologische Selbstbewegung und eine Gebieterin der Handlungen des Körpers heraus. Die Priorität der Seele gegenüber dem Körper liegt in der Herrschaft der Vernunft über die Begierden begründet und legitimiert auch die Knechtschaft des Sklaven gegenüber dem Herrn. Die sklavische Seele nach Platon unterscheidet sich in der Darstellung des Autors von der Herrscherseele durch eine differente Disposition, die drei Seelenteile zu ordnen. An sich ist die sklavische Seele ebenso beschaffen wie die eines Freien, sie unterscheidet sich nur in der Unordnung und Unterentwicklung des vernunftmäßigen Teiles. Der Autor untersucht stärker die Betrachtungen Platons zur menschlichen Psyche – auch die Grenze zwischen dem Sklaven als Funktionsträger und dem sklavischen Verhalten eines Bürgers – und thematisiert erst in einem zweiten Teil institutionelle Gesichtspunkte. Neben der Untersuchung der „Politeia“ behandelt Angermeir auch mit den „Nomoi“ das Spätwerk Platons und den Einbau der Sklaverei in das politische Gesetzeswerk. Eingerahmt wird die Untersuchung von biografischen Notizen zu Platon und einem historischen Umriss zur Sklaverei im alten Griechenland. Angermeir entwirft die Rechtfertigung der Sklaverei im platonischen Denken als politischen Ausdruck eines psychischen Modells von Gerechtigkeit, welches seine Entsprechung in den kosmischen Regeln hat.
Ellen Thümmler (ET)
Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 5.31
Empfohlene Zitierweise: Ellen Thümmler, Rezension zu: Christian Angermeir: Sklaven des Gesetzes. Berlin: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/14798-sklaven-des-gesetzes_34538, veröffentlicht am 05.05.2009.
Buch-Nr.: 34538
Inhaltsverzeichnis
Rezension drucken
Dr., Politikwissenschaftlerin, wiss. Mitarbeiterin, Institut für Politikwissenschaft, Technische Universität Chemnitz.
CC-BY-NC-SA