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/ 05.06.2013
Christopher C. W. Taylor

Sokrates. Aus dem Englischen von Katja Vogt

Freiburg i. Br./Basel/Wien: Herder 1999 (Spektrum 4743); 140 S.; 14,80 DM; ISBN 3-451-04743-8
In diesem Einführungsband erfährt man nichts Neues über Sokrates, dafür werden viele alte (Vor-)Urteile noch einmal präsentiert: daß für Sokrates Tugend Wissen sei (84); daß Platon dort, wo Sokrates sich zu positiven Aussagen bequemt, ihm seine eigenen Theorien in den Mund gelegt habe (12); daß Sokrates – aufgrund der Erfolglosigkeit seiner philosophischen Suche? – den Tod als die Genesung von der Krankheit Leben begriffen habe (23) usw. Oberflächlich wie der Befund ist auch das Verfahren; ohne wirklichen Nachvollzug werden Versatzstücke aus den Dialogen aufgelesen und gemäß dem eigenen Vorverständnis interpretiert. So ergibt sich das Bild eines Mannes, für den Tugend Wissen war – ein Wissen, zu dem er offenbar nicht fand. Dennoch wurde er der Lehrer Platons, der das, was er von Sokrates nicht gelernt haben konnte, als sokratische Lehre präsentierte. Schließlich wurde Sokrates dann noch das historische Vorbild für das philosophische Leben schlechthin, nachdem er in Platons Darstellung das Leben als solche Belastung empfunden hatte, daß er sich leichten Herzens von ihm trennte. Wer in all dem einen Sinn findet, ist ein Hermeneut von Graden.
Barbara Zehnpfennnig (BZ)
Prof. Dr., Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 5.31 Empfohlene Zitierweise: Barbara Zehnpfennnig, Rezension zu: Christopher C. W. Taylor: Sokrates. Freiburg i. Br./Basel/Wien: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8106-sokrates_10714, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 10714 Rezension drucken
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