/ 22.06.2013
Florian Blank
Soziale Rechte 1998-2005. Die Wohlfahrtsstaatsreformen der rot-grünen Bundesregierung
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011 (Sozialpolitik und Sozialstaat); 253 S.; 39,95 €; ISBN 978-3-531-17926-1Diss. Münster; Gutachter: K. Schubert, C. Frantz. – Mit diesem Buch reiht sich Blank in die lange Reihe von Autoren ein, die die Entwicklung von Wohlfahrtsstaaten untersuchen. Anders als in klassischen Studien wie z. B. von Gösta Esping-Andersen beschränkt er sich aber auf die Betrachtung Deutschlands über einen Zeitraum von sieben Jahren. Auch wählt er mit der dichten Beschreibung eine andere Methode, von der er sich mehr „Tiefenschärfe“ (20) erhofft. Dies ist letztlich nur konsequent, da bei dem eng umgrenzten Untersuchungsgegenstand die groben Linien nur wenig Erkenntnisgewinn versprechen. Deshalb verweist Blank auch darauf, dass die „Dichotomie Ausbau-Abbau […] den gegenwärtigen Reformen möglicherweise nicht gerecht“ (23) wird. Neben der quantifizierenden Methode verwirft der Autor zudem das Konzept der De-Kommodifizierung, denn die Sozialpolitik sei nicht unbedingt gegen den Markt gerichtet. Blank legt seiner Analyse in Anlehnung an T. H. Marshall das Konzept der sozialen Rechte zu Grunde. Diese Perspektive bildet eine Heuristik, die – wie Blank im letzten Kapitel zeigt – auch auf andere Kontexte übertragen werden kann. Sie untergliedert sich in die Aspekte Anspruchsberechtigung, Situation der Inanspruchnahme sowie Gestalt und Umfang der Leistung. In Fallstudien untersucht Blank die Leistungsansprüche in den vier Säulen der Sozialversicherung: der Renten- und Gesundheitsversicherung, der Beschäftigungspolitik sowie der Pflegeversicherung. Indem sich der Autor vornehmlich auf Gesetze konzentriert, kann er die untersuchten Phänomene bzw. deren Ergebnisse direkt dem Handeln der Regierung zuschreiben. Die Fallstudien bieten einen umfangreichen Einblick in die einzelnen gesetzlichen Regelungen, die in den Politikfeldern unter Rot-Grün getroffen wurden. Blank resümiert nicht einen Aus- oder Abbau, sondern vielmehr einen Umbau des Wohlfahrtsstaats, dessen Richtung aber bislang noch unklar ist. Esping-Andersens Begrifflichkeiten taugen demnach als Ausgangspunkt der Analyse, nicht aber zur aktuellen Beschreibung. Mit Hilfe der detailreichen Untersuchung gelingt es Blank, diesen Befund überzeugend zu untermauern.
Daniel Gerstenhauer (DG)
M. A., Sozialwissenschaftler, Doktorand, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.342 | 2.343 | 2.3
Empfohlene Zitierweise: Daniel Gerstenhauer, Rezension zu: Florian Blank: Soziale Rechte 1998-2005. Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33559-soziale-rechte-1998-2005_40164, veröffentlicht am 30.03.2011.
Buch-Nr.: 40164
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M. A., Sozialwissenschaftler, Doktorand, Universität Jena.
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