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/ 21.06.2013
Klaus Dieter Wolf (Hrsg.)

Staat und Gesellschaft – fähig zur Reform? 23. wissenschaftlicher Kongress der Deutschen Vereinigung für Politische Wissenschaft

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2007; 343 S.; brosch., 29,- €; ISBN 978-3-8329-3007-3
Durch die ökonomische Dominanz der Reformdiskussion habe sich auch in der Politikwissenschaft ein veränderter Umgang mit dem Reformbegriff manifestiert, der zugleich einen „schleichenden und nicht ganz unproblematischen Wandel im Politikverständnis unserer Disziplin widerspiegelt“, so der Herausgeber in seinem Einführungsvortrag des hier teilweise dokumentierten DVPW-Kongresses vom September 2006. Wolf mahnt: „Es ist überfällig, den Wirtschaftswissenschaften ihre aktuelle Rolle als Leitdisziplin bei der Bestimmung von Reformzielen streitig zu machen, die Grundüberzeugungen und Implikationen ihrer Reformvorschläge freizulegen und originär politikwissenschaftliche Maßstäbe wie Freiheit, Selbstbestimmung oder Gerechtigkeit wieder ins Spiel zu bringen.“ (20) Unter welchen Bedingungen Reformen erfolgreich verlaufen, wodurch sie behindert werden und wie ihre Ziele, Prozesse und Ergebnisse analytisch zu erschließen und politikwissenschaftlich zu bewerten sind, wird anhand von drei verschiedenen Reformkontexten analysiert, an denen sich die Gliederung des Bandes orientiert: Erstens geht es um die Reform des Staates, also der Frage nach möglichen Veränderungen der institutionellen Ordnung, wobei die Analyse von Verfassungsreformprozessen im Mittelpunkt steht. Der zweite Teil, Reform im Staat, nimmt die Ziele, Inhalte und Folgen praktischer Reformpolitik in unterschiedlichen Politikfeldern und Handlungsebenen in den Blick. Darum geht es auch im dritten Teil, wobei unter der Überschrift „Reform ohne Staat“ die Frage im Mittelpunkt steht, wie viel Staat für Reformen notwendig ist. Bei dem Versuch, die Governance-Perspektive auf sogenannte schwache Staaten bzw. in „Räumen begrenzter Staatlichkeit“ (242) zu übertragen, werden die Grenzen bisheriger politikwissenschaftlicher Konzepte und Theorien deutlich. Über Wege zur „Reform (in) der Politikwissenschaft“ wird im vierten Teil diskutiert, zum einen nochmals anhand der Governance-Debatte und des zu kritisierenden einseitig technokratischen Begriffsverständnisses, zum anderen in Form einer Reflexion über die Policy-Forschung.
Anke Rösener (AR)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 1.35.24.14.32.214.453.62.322.352.3312.342 Empfohlene Zitierweise: Anke Rösener, Rezension zu: Klaus Dieter Wolf (Hrsg.): Staat und Gesellschaft – fähig zur Reform? Baden-Baden: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/28496-staat-und-gesellschaft--faehig-zur-reform_33580, veröffentlicht am 03.04.2008. Buch-Nr.: 33580 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA