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/ 05.06.2013
Antony Beevor

Stalingrad. Aus dem Englischen von Klaus Kochmann

München: C. Bertelsmann 1998; 544 S.; geb., 49,90 DM; ISBN 3-570-00236-5
Unbestritten steht der Name Stalingrad für die militärische Wende des Zweiten Weltkrieges. Beevor interessiert sich in seiner Darstellung der Schlacht und des Schlachtens um Stalingrad weniger für die strategisch-operativen Zielvorstellungen und Planungen (obwohl er sie nicht vernachlässigt), sondern er versucht, anhand von Zeitzeugen und persönlichen Papieren den Akteuren der Jahre 1942/43 nahe zu kommen. Verantwortlich für das Massentöten und Massensterben an der Wolga ist der Fanatismus der beiden Diktatoren, die beide mit militärisch unsinnigen Halte-Befehlen agierten. Aber während Stalin im Sommer 1942 bei der großen deutschen Offensive gegen Don und Wolga lernen mußte, sich militärischen Notwendigkeiten zu stellen, verließ Hitler seine, auch von seinen Generälen getragene strategische Linie, und ermöglichte so erst die Schlacht um Stalingrad (anfänglich war in den Planungen bei der Heeresgruppe Süd gar nicht daran gedacht worden, Stalingrad einzunehmen). Beevors lesenswerte und ausgewogene Darstellung bleibt allerdings nicht auf dieser Ebene stehen, zeigt vielmehr die Bandbreite des Geschehens, angefangen bei Generalfeldmarschall Paulus, der sich kritiklos gegenüber seinem "Führer" dem militärischen Schicksal ergab, bis hinunter zum einfachen Soldaten, der im Häuser- und Grabenkampf, in Dreck, Kälte und Hunger sein Überleben sichern wollte, und sei es durch Desertion und Selbstverstümmelung. Auf sowjetischer Seite standen Führung und Truppen besser dar, allerdings nicht wenig unterstützt durch die deutschen Führungsfehler.
Axel Gablik (AG)
Dr., Historiker.
Rubrizierung: 2.312 Empfohlene Zitierweise: Axel Gablik, Rezension zu: Antony Beevor: Stalingrad. München: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/8668-stalingrad_11402, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 11402 Rezension drucken
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