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/ 21.06.2013
Wilhelm Mirow

Strategic Culture Matters. A comparison of German and British military interventions since 1990

Berlin: Lit 2009 (Forschungsberichte Internationale Politik 38); VIII, 80 S.; brosch., 19,90 €; ISBN 978-3-8258-1866-1
Masterarbeit Berlin; Gutachter: T. Risse, I. Peters. – Der Begriff der strategischen Kultur von Staaten spielt in Studien zur Internationalen Politik eine immer größere Rolle. Schon in den 70er-Jahren wurde deutlich, dass die klassischen Theorieansätze der Internationalen Beziehungen zur Analyse der Außen- und Sicherheitspolitik der Sowjetunion und der USA nicht ausreichten. Der Begriff der strategischen Kultur bot hier einen neuen Ansatz und hat sich zu einem eigenständigen Forschungsfeld ausgeweitet. Mirow hat es sich zur Aufgabe gemacht, die strategische Kultur des wiedervereinigten Deutschlands mit der Großbritanniens in der Zeit nach Ende des Kalten Kriegs zu vergleichen. Er prüft, welchen Einfluss diese als unabhängige Variable auf die Häufigkeit und Intensität hatte, in der diese beiden Staaten militärische Gewalt einsetzten. Zu diesem Zweck untersucht er verschiedene Normen wie beispielsweise das Vorhandensein legitimer Ziele und das Agieren in internationalen Kooperationen. Dabei konzentriert er sich sowohl auf die öffentliche Meinung – d. h. vor allem Umfragen – als auch auf Elitendiskurse, wie zum Beispiel Parlamentsdebatten. Mirow zeigt, dass die strategische Kultur beider Länder sowohl eine klare Auswirkung auf die Bereitschaft zu militärischen Interventionen hatte als auch auf Art, Umfang und Intensität des Engagements. Besonders das Prinzip der Parlamentsarmee in Deutschland und die damit verbundene intensive parlamentarische Debatte beeinflussen diesen Entscheidungsprozess. Wie der Autor richtig anmerkt, zeigt sich hier auch ein weiterführendes Forschungsfeld: Diskursanalysen und medienwissenschaftliche Untersuchungen können helfen, diese Entscheidungsprozesse und die spezifische strategische Kultur der jeweiligen Länder besser zu verstehen. Die Analyse der historischen Entwicklung der strategischen Kultur beider Länder bietet ebenfalls noch ein wichtiges Forschungsfeld. Insgesamt liefert die Arbeit einen Erklärungsansatz für das unterschiedliche militärische Verhalten beider Staaten, der über die klassischen Einflussfaktoren neorealistischer Analyse hinausgeht.
Magnus-Sebastian Kutz (MSK)
Dr. phil., Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 4.24.214.224.412.61 Empfohlene Zitierweise: Magnus-Sebastian Kutz, Rezension zu: Wilhelm Mirow: Strategic Culture Matters. Berlin: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30613-strategic-culture-matters_36355, veröffentlicht am 28.05.2009. Buch-Nr.: 36355 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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