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/ 18.06.2013
Peter Blickle / Thomas O. Hüglin / Dieter Wyduckel (Hrsg.)

Subsidiarität als rechtliches und politisches Ordnungsprinzip in Kirche, Staat und Gesellschaft. Genese, Geltungsgrundlagen und Perspektiven an der Schwelle des dritten Jahrtausends

Berlin: Duncker & Humblot 2002 (Rechtstheorie: Beiheft 20); XI, 564 S.; 62,- €; ISBN 3-428-10634-2
Der interdisziplinär ausgerichtete Band versammelt die Referate eines internationalen Symposions, das im November 2000 in Emden von der Johannes-Althusius-Gesellschaft veranstaltet wurde. Eine stattliche Zahl der Beiträge ist (rechts-)historisch angelegt. Sie verweisen insbesondere darauf, dass der Gedanke der Subsidiarität der Sache nach bereits seit der frühen Neuzeit in den verschiedenen Konfessionen präsent war. Aus der Sicht einer an den aktuellen Problemen des Verständnisses und der Anwendung des Subsidiaritätsprinzips interessierten Politikwissenschaft sind die Beiträge der dritten, sechsten und siebten Sektion hervorzuheben. Der Sammelband belegt, dass das Subsidiaritätsprinzip längst nicht mehr ein Spezialthema der katholischen Soziallehre ist, dem es in seiner modernen Anwendung ja entstammt (vgl. Isensee), sondern spätestens seit seiner expliziten Aufnahme in den Maastrichter Vertrag 1992 ein weithin anerkanntes, heuristisch wie (menschen-)rechtlich hilfreiches Strukturprinzip der Regelung institutioneller Zuständigkeiten in modernen politischen Systemen geworden ist. Inhalt: I. Christlich-religiöse Konfessionskultur und Grundlagen der Subsidiarität: Harm Klueting: Über das Verhältnis von Familienreligion und Hausgemeinde zum kirchlichen Gottesdienst in protestantischen Kontexten der Frühen Neuzeit (3-24); Pavel Mikluš?ák: Subsidiarität in der katholischen Kirche (25-36); Jan Rohls: Subsidiarität in der reformierten Konfessionskultur (37-58); Heinrich de Wall: Das Subsidiaritätsprinzip in der lutherischen Staats- und Gesellschaftslehre der frühen Neuzeit (59-70). II. Politik- und gesellschaftstheoretische Rahmenbedingungen des Subsidiaritätsprinzips: Antony Black: Subsidiarity in the Islamic World: An Alternative Model of Socio-Political Order? (73-84); Chantal Delsol: La bonne étoile de la subsidiarité (85-89); Sanford Lakoff: Symbiosis or Subordination? Althusius and the Modern Political Dilemma (91-115); Manfred Walther: Subsidiarität und Flexibilität. Überlegungen zum "Dezentralisierungspotential" des Subsidiaritätsprinzips in der Europäischen Union (117-125). III. Verfassungsrechtliche, rechts- und staatstheoretische Voraussetzungen der Subsidiarität: Josef Isensee: Subsidiarität - das Prinzip und seine Prämissen (129-177); Peter Pernthaler: Das Subsidiaritätsprinzip und die Ausgliederung öffentlicher Aufgaben (179-198); Thomas Würtenberger: Subsidiarität als verfassungsrechtliches Auslegungsprinzip (199-212). IV. Geschichtlich-gesellschaftliche, regionale und kommunale Praxis der Subsidiarität: Peter Blickle: Die "Consociatio" bei Johannes Althusius als Verarbeitung kommunaler Erfahrung (215-235); Corrado Malandrino: Die Subsidiarität in der "Politica" und in der politischen Praxis des Johannes Althusius in Emden (237-258); Olav Moorman van Kappen: Zur Lehre von der Subsidiarität der Geldrischen Landrechte (259-289); Katharina Odermatt: Erst- und Drittausgabe der Politica im Vergleich: Zu den Entstehungsbedingungen politischer Theorie (291-304). V. Korporative Ordnung, Föderalismus und Subsidiarität: Mauro Calise: Corporate Authority in a long-term Comparative Perspective - Differences in Institutional Change between Europe and the United States (307-324); Thomas 0. Hüglin: Föderalismus und Subsidiarität. Ein Beitrag zu Schnittstellen in der politischen Ideengeschichte (325-336); Merio Scattola: Subsidiarität und gerechte Ordnung in der politischen Lehre des Johannes Althusius (337-367). VI. Subsidiarität als rechtliches und politisches Prinzip in der Europäischen Union: Christian Calliess: Subsidiaritätsprinzip und Solidaritätsprinzip als rechtliches Regulativ der Globalisierung von Staat und Gesellschaft - dargestellt am Beispiel von EU und WTO (371-400); Ansgar Hense: Der staats- und europarechtliche Gehalt des Subsidiaritätsprinzips in den päpstlichen Enzykliken (401-430); Peter Nitschke: Subnationalität versus Nationalität? Die Regionalisierung der Europäischen Union als subsidiäre Politikstrategie (431-444); Stefan Ulrich Pieper: Das Subsidiaritätsprinzip im Europäischen Gemeinschaftsrecht sowie in der politisch-rechtlichen Praxis der Union (445-471). VII. Subsidiarität in globaler und völkerrechtlicher Perspektive: Ulrich Fastenrath: Subsidiarität im Völkerrecht (475-535); Dieter Wyduckel: Souveränität und Subsidiarität als Prinzipien globaler rechtlicher und politischer Ordnungen (537-652).
Antonius Liedhegener (LI)
Dr., wiss. Ass., Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena (www.uni-jena.de/svw/powi/sys/liedhege.html).
Rubrizierung: 2.22.234.15.323.2 Empfohlene Zitierweise: Antonius Liedhegener, Rezension zu: Peter Blickle / Thomas O. Hüglin / Dieter Wyduckel (Hrsg.): Subsidiarität als rechtliches und politisches Ordnungsprinzip in Kirche, Staat und Gesellschaft. Berlin: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/17024-subsidiaritaet-als-rechtliches-und-politisches-ordnungsprinzip-in-kirche-staat-und-gesellschaft_19560, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19560 Rezension drucken
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