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/ 11.06.2013
Magarditsch Hatschikjan / Stefan Troebst (Hrsg.)

Südosteuropa. Gesellschaft, Politik, Wirtschaft, Kultur. Ein Handbuch

München: C. H. Beck 1999; 570 S.; Ln.,78,- DM; ISBN 3-406-45344-9
Auch nach dem Fall des Eisernen Vorhangs befindet sich Südosteuropa in der Wahrnehmung des Westens an der Peripherie Europas, ist sein dunkler Hinterhof, der allenfalls negative Schlagzeilen verursacht. Zumal die Gewaltexzesse im früheren Jugoslawien tief verwurzelte Vorurteile gegenüber der Region neu belebt und dem Terminus "Balkanisierung" zu neuer Popularität verholfen haben. Gegen derartige Vorurteile setzen die Herausgeber auf solide und ausgewogene Information, die zugleich den Blick für die verbreitete Instrumentalisierung der Geschichte für politische Zwecke schärfen soll. In seiner sachkundigen Einleitung verweist Hatschikjan auf die geographische, kulturelle, sprachliche, ethnische, religiöse und politische Vielfältigkeit der Region und damit auch auf die Schwierigkeiten einer trennscharfen Abgrenzung gegenüber anderen europäischen Regionen. Einem "flexiblen Ansatz variabler Geometrie" (22) folgend, unterscheidet er zwischen einem Kerngebiet und mehreren Übergangszonen. Zum Kern Südosteuropas werden die Balkan-Region sowie das heutige Rumänien gezählt (mit Transsylvanien als so genannter Transitionszone), als Übergangszonen firmieren Teile Kroatiens, Sloweniens, das heutige Ungarn und die südliche Slowakei. Die fünf Themenkomplexen zugeordneten Beiträge sind durchweg vergleichend angelegt und beleuchten damit auch gebührend die intraregionalen Unterschiede. Ein umfangreicher statistischer Anhang und weiterführende Literaturangaben erweisen sich darüber hinaus als hilfreich und unterstreichen den Handbuchcharakter. Der Band dürfte für den Fachmann wie für den an der Region interessierten Laien zu einem gerne genutzten Hilfsmittel werden. Inhalt: Magarditsch Hatschikjan: Was macht Südosteuropa aus? (1-27). I. Struktureller Rahmen und historisches Erbe: Edgar Hösch: Kulturen und Staatsbildungen (31-52); Karl Kaser: Raum und Besiedlung (53-72); Stefan Troebst: Politische Entwicklung in der Neuzeit (73-102). II. Menschen und Gesellschaften: Rumen Daskalov / Holm Sundhaussen: Modernisierungsansätze (105-135); Holm Sundhaussen: Bevölkerungsentwicklung und Sozialstruktur (136-150); Thomas Bremer: Kirchen und Religionsgemeinschaften (151-168); Gerhard Seewann: Minderheiten und Nationalitätenpolitik (169-196). III. Staaten und Politik: Richard Crampton: Politische Systeme (199-222); Herbert Küpper: Verfassungssysteme (223-247); Wolfgang Höpken: Staatensystem (248-275); Marie-Janine Calic: Außen- und Sicherheitspolitik (276-300). IV. Wirtschaft: Marvin Jackson: Transition: Institutioneller und struktureller Wandel (303-324); Bruno Schönfelder: Wirtschaftsstrukturen (325-346); Franz-Lothar Altmann: Wirtschaftsordnungen und Wirtschaftspolitik (347-366); Vladimir Gligorov: Außenwirtschaft (367-392). V. Kultur: Klaus Steinke: Sprachen (395-416); Reinhard Lauer: Literaturen (417-436); Wolfgang Mitter: Bildungswesen (437-461); Rossen Milev: Medien (462-483).
Michael Edinger (ME)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Sonderforschungsbereich 580, Universität Jena (www.uni-jena/svw/powi/sys/edinger.html).
Rubrizierung: 2.622.12.24.414.42 Empfohlene Zitierweise: Michael Edinger, Rezension zu: Magarditsch Hatschikjan / Stefan Troebst (Hrsg.): Südosteuropa. München: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/10522-suedosteuropa_12438, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 12438 Rezension drucken
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