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/ 20.06.2013
Thomas Martin

Systemimmanente Funktionsmängel der sozialistischen Zentralplanwirtschaft in der SBZ/DDR 1949. Am Beispiel des volkseigenen industriellen Sektors

Online-Publikation 2005 (http://www.opus-bayern.de/uni-bamberg/volltexte/2005/30/index.html); 430 S.
Geschichtswiss. Diss. Bamberg; Gutachter: J. Schneider, W. Protzner. – Mit der Übertragung der sowjetischen Ordnung und deren systembedingten Mängeln seien bereits 1949 alle Weichen für das spätere Scheitern der DDR gestellt worden, schreibt Martin. Er belegt seine These mit einer Analyse des ersten zentralen Wirtschaftsplans von 1949/1950. Entstanden sei damit nicht etwa eine geordnete Ökonomie, sondern eine straff organisierte, hierarchisch strukturierte Wirtschaftsbürokratie, die einen maßgeblichen Teil der Systemwillkür ausgemacht habe. „Von entscheidender Bedeutung war dabei der Widersinn systembedingter Substitution individueller Verantwortung und Kompetenz durch das propagandistisch verbrämte Plandiktat bei gleichzeitigem Aufrechterhalten ideologisch begründeter, willkürlicher Leistungsanforderungen“ (388 f.). Tatsächlich aber sei der Zentralplan inkompatibel gewesen mit dem Versuch der Wirtschaftsteilnehmer, eigene Interessen zu verfolgen. Die Betriebe hätten ihre Leistungsfähigkeit heruntergespielt, um niedrige Vorgaben zu erhalten und gleichzeitig ihre Materialforderungen erhöht; die Arbeitnehmer hätten nicht eingesehen, für Geld, dem kein entsprechendes Warenangebot gegenüber gestanden habe, leistungsorientiert zu arbeiten. Man habe sich in der „Strategie der taktischen Passivität“ (400) geübt. Gleichzeitig sei es ein entscheidender Konstruktionsfehler der Planwirtschaft gewesen, dass jeder Mangel unweigerlich neuen Mangel produziert habe. Eine zielgerichtete Koordinierung aller wirtschaftlichen Aktivitäten sei Wunschdenken geblieben, bereits der Plan von 1949/50 sei nicht erfüllt worden. Auch in den folgenden Jahrzehnten hätten sich aus dem künstlichen Wesen der Planwirtschaft aufgrund der systemimmanenten Mängel keine funktionierenden Strukturen entwickeln können. Die SED habe über keine Wirtschaftstheorie verfügt, so das Fazit, die die sozialistische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung mit der Realität des menschlichen Wirtschaftens hätte in Einklang bringen können. Sie habe ohne den geringsten Erkenntnisgewinn regiert.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Thomas Martin: Systemimmanente Funktionsmängel der sozialistischen Zentralplanwirtschaft in der SBZ/DDR 1949. 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25339-systemimmanente-funktionsmaengel-der-sozialistischen-zentralplanwirtschaft-in-der-sbzddr-1949_29357, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 29357 Rezension drucken
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