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/ 18.06.2013
Hubertus Knabe

17. Juni 1953. Ein deutscher Aufstand

München: Propyläen Verlag 2003; 486 S.; 25,- €; ISBN 3-549-07182-5
Der Volksaufstand am 17. Juni 1953 gehöre „in die Reihe der großen revolutionären Erhebungen in Deutschland" (7), schreibt Knabe, wissenschaftlicher Direktor der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen. Er analysiert die Geschichte des Volksaufstandes, seine Ursachen, die Hintergründe seiner Niederschlagung sowie die anschließende Verfolgungswelle sehr umfassend und gründlich auf der Basis der zum Teil erst seit kurzem zur Verfügung stehenden Quellen. Auf der Strecke bleiben so dankenswerter Weise etliche Legenden und Mutmaßungen. Erläutert werden außerdem Hintergründe wie der, dass die Berliner Bauarbeiter, die die Massenproteste auslösten, im Verhältnis zu anderen DDR-Bürgern relativ gut verdienten, trotzdem aber aufgrund der schlechten Lebens- und Arbeitssituation sehr unzufrieden waren. Knabe schildert anschaulich, dass der Aufstand keineswegs aus dem Westen gesteuert wurde, wie in der DDR später behauptet wurde - im Gegenteil: Die westlichen Alliierten ließen der Sowjetunion bei der Niederschlagung der Revolte freie Hand. Es habe allerdings Wochen und Monate gedauert, bis die SED wieder alles unter Kontrolle gehabt habe. Der Aufstand sei zwar gescheitert, zur Bilanz gehöre aber auch, dass dem SED-Regime jede politisch-moralische Legitimation entzogen worden sei. Denn es habe sich nicht nur um einen sozialen Protest gehandelt, so Knabe, sondern „um eine politische Bewegung mit dem klar umrissenen Ziel von Freiheit und Demokratie" (432). Aus dem Inhalt: Prolog: Ein Tag im Juni; Die Ursachen: Das ungeliebte System; Die Zunahme des Terrors; Wirtschafts- und Versorgungskrise; Moskaus Neuer Kurs. Der Aufstand: Vorboten der Krise; Der Berliner Bauarbeiterstreik; Die Rolle des RIAS; Der unerwartete Flächenbrand; Machtübernahme in Halle, Bitterfeld und Görlitz; Die Revolte der Bauern; Die Reaktion der Kirchen; Das Verhalten der Intellektuellen; Die Streikwelle danach. Die Niederschlagung: Die Reaktion der SED; Das Versagen der Sicherheitskräfte; Das Eingreifen der Sowjets; Festnahmen und Verurteilungen; Machtkampf im Politbüro; Die Haltung des Westens.
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Hubertus Knabe: 17. Juni 1953. München: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/19350-17-juni-1953_22490, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 22490 Rezension drucken
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