/ 22.06.2013
Eckhard Jesse (Hrsg.)
1989 und die Perspektiven der Demokratie
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011 (Veröffentlichungen der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft [DGfP] 28); 177 S.; brosch., 26,- €; ISBN 978-3-8329-7084-0Der Titel des Sammelbandes lässt teilweise mehr erwarten, als den Lesern letzten Endes geboten wird: die Beiträge handeln von der Entwicklung der (westlichen) Demokratie (und ihrer theoretischen Analyse) nach „1989“ (und selbst der explizite Bezug zu 1989 ist in manchen Beiträgen nur im Titel vorhanden) – die wichtige und spannende Frage, welche Perspektiven der große Umbruch des Jahres 1989 selbst für die Entwicklung der Demokratie bieten konnte und was aus diesen Perspektiven geworden ist, wird nicht (beziehungsweise nur in manchen Beiträgen am Rande) behandelt. Anders formuliert: Die Thematik böte die große Chance zu einer offenen und unvoreingenommenen Herangehensweise – inwiefern hat 1989 nicht nur die Möglichkeit zu einer quantitativen Verbreitung der parlamentarischen Demokratie westlichen Musters geboten, sondern auch dem demokratischen Gedanken selbst (beziehungsweise seiner faktischen Umsetzung) neue Perspektiven zu seiner kritischen Hinterfragung und konstruktiven Weiterentwicklung an die Hand gegeben? Die meisten Beiträge gehen allerdings implizit oder explizit von der Alternativlosigkeit der gegenwärtigen Form der westlichen Demokratie aus. Damit geraten viele wichtige und interessante Fragen von vornherein aus dem Blickfeld. Wer jedoch „nur“ einen Überblick über wichtige aktuelle Fragen der Demokratieforschung vor dem Hintergrund der Transformationen in Ost und West sucht, dem gibt dieser Band einen zwar notwendigerweise selektiven, aber dennoch guten Einblick. Die Beitragsautoren beschäftigen sich unter anderem mit dem Prozess der demokratischen Konsolidierung in Osteuropa und Ostdeutschland, der damit teilweise verbundenen Frage des Euroskeptizismus und der Zukunft der Ost-West-Beziehungen. Wolfgang Merkel und Erhard Forndran setzen sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit empirischen und theoretischen Aspekten des „demokratischen Friedens“ (119) auseinander, während Lazaros Miliopoulos die Ereignisse des Jahres 1989 aus dem Blickwinkel der zwei teils entgegengesetzten Denkansätze von Hannah Arendt und Panajotis Kondylis diskutiert. Der Sammelband basiert auf der gleichnamigen Jahrestagung 2008 der Deutschen Gesellschaft für Politikwissenschaft und enthält ausgewählte Beiträge der Tagung in überarbeiteter Form.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.2 | 2.61 | 4.1 | 2.3
Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Eckhard Jesse (Hrsg.): 1989 und die Perspektiven der Demokratie Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34826-1989-und-die-perspektiven-der-demokratie_41868, veröffentlicht am 12.07.2012.
Buch-Nr.: 41868
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Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
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