/ 22.06.2013
Manfred Mai
Technik, Wissenschaft und Politik. Studien zur Techniksoziologie und Technikgovernance
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2011; 242 S.; 34,95 €; ISBN 978-3-531-17903-2Stichworte wie Fukushima und Atomausstiegsdebatte stellen sicher Bezugspunkte bei der Lektüre dieses Buches dar, obwohl sie nicht genannt werden, gar nicht genannt werden können. Der Grund liegt in der Beschaffenheit des Bandes: Der Politikwissenschaftler Mai versammelt insgesamt dreizehn eigene Beiträge, von denen lediglich die ersten zwei Neupublikationen sind. Die restlichen elf Beiträge wurden bereits zwischen 1988 und 2011 publiziert. Während er im ersten Aufsatz unter dem Titel „Innovationspolitik“ die Bedingungen und Möglichkeiten von staatlich wie wirtschaftlich initiierter Finanzierung von Forschung und Entwicklung auslotet, konzentriert er sich im zweiten Aufsatz „Autonomie und Eigendynamik der Technik“ auf die Frage, inwieweit Technik „politisch nach gesellschaftlichen Zielen gestaltet werden kann“ (39). Technikentwicklung, so Mais diesbezügliches Fazit, unterliege immer einer gewissen Eigendynamik, die weder vollkommen beherrschbar noch a priori vorhersagbar sei. Das Problem der Irreversibilität von Technikprojekten stellt sich demnach erst nach deren Umsetzung, dafür aber – wie in Fukushima deutlich geworden – mit radikaler Vehemenz: „In jedem Fall besteht die Unsicherheit darin, die möglichen Risiken eines fertigen Projekts gegen die Chancen eines Ausstiegs abzuwägen und dafür den richtigen Zeitpunkt zu wählen.“ (56) Im Sinne einer solchen grundsätzlichen Reflexion von Technik und Technikfolgen ist der Band also von grundsätzlichem Wert, auch angesichts der gegenwärtigen Debatte um den Umgang mit der Atomtechnologie – er liefert sowohl systemtheoretische wie auch philosophische Ansatzpunkte für eine kritische Analyse. Einzig hinsichtlich der von Mai propagierten Gestaltungseuphorie, mit der die Politik die Technik beeinflussen könne, ist ob der bestehenden politischen wie ökonomischen Pfadabhängigkeiten eine gewisse Skepsis geboten.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.2 | 2.26 | 2.34 | 2.21 | 2.32 | 5.2
Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Manfred Mai: Technik, Wissenschaft und Politik. Wiesbaden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33572-technik-wissenschaft-und-politik_40179, veröffentlicht am 13.04.2011.
Buch-Nr.: 40179
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Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
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