/ 22.06.2013
Eveline Ratzel
The BiG SiN – Die Lust zum Sündigen. Mary Daly und ihr Werk
Rüsselsheim: Christel Göttert Verlag 2011; 276 S.; brosch., 17,- €; ISBN 978-3-939623-32-8Der Sammelband trägt eine Vielzahl von Beiträgen zum Werk von Mary Daly zusammen, wobei es sich meistens um vormals in Zeitungen oder Zeitschriften veröffentliche Publikationen handelt. Das Ziel ist es, einen hilfreichen Einstieg in das Denken Dalys, die 2010 im Alter von 81 Jahren verstorben ist, zu ermöglichen. Neben einer ausführlichen Auseinandersetzung mit der Theorie Dalys in einer Schrift von Ratzel lässt sich der beste Eindruck über ein Interview von 1999 gewinnen. Hier offenbart sich, warum Daly zu den umstrittensten feministischen Denkerinnen gehört und zahlreiche Kontroversen ausgelöst hat. In dem Interview bezeichnet sie sich selbst als „Radikalfeministin“ (82) und der Gruppe von „radikallesbische[n] Feministinnen“ (97) zugehörig. Deutlich kommt ihre tiefe Abneigung gegenüber Männern zum Vorschein: „Vor die Wahl zwischen den zwei Geschlechtern gestellt, ist das weibliche ganz offenkundig das bessere. Und ich muss gar nicht erst zwischen beiden wählen; ich meine, das andere ist nicht mal mehr der Überlegung wert. Gammliges Zeug, das überall rumhängt“ (86). Daly erkennt ein seit Langem vorherrschendes Patriarchat, unter dem Frauen einen „ungeheuren Schwund“ (74) erlitten hätten. Ihre Weltsicht ist insofern recht simpel: Frauen seien von Natur aus gut, sie seien dem Leben zugewandt, während Männer von Natur aus einen Hass auf das Leben hätten und es immer zu zerstören versuchten. Aus dieser einfachen Schwarz-Weiß-Sicht entwickelt sie die politische Utopie einer frauenzentrierten Gesellschaft, in der sie eine Reduzierung der männlichen Bevölkerung auf zehn Prozent befürwortet, denn wenn das Leben auf der Welt überleben solle, „muss es eine Sanierung/Entgiftung geben“ (100), wofür eine drastische Reduzierung der Männermenge notwendig sei. Kritik an dieser Vorstellung kontert sie z. B. mit folgender Aussage, die zugleich charakteristisch für ihren kreativen Umgang mit Sprache ist: „Ich denke, so was kommt davon, wenn man nicht tief genug in den Horror der Phallokratie, Peniskratie [Penocracy], Sportskanonen-kratie [Jockocracy], Schwanzokratie [Cockocracy], nennen Sie’s wie auch immer – Patriarchat, hineinschaut“ (91).
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.46 | 5.42 | 2.27
Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Eveline Ratzel: The BiG SiN – Die Lust zum Sündigen. Rüsselsheim: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34664-the-big-sin--die-lust-zum-suendigen_41656, veröffentlicht am 29.03.2012.
Buch-Nr.: 41656
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Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
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