/ 21.06.2013
Beth A. Griech-Polelle (Hrsg.)
The Nuremberg War Crimes Trial and its Policy Consequences Today
Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2009; 209 S.; brosch., 29,- €; ISBN 978-3-8329-3906-9Die Frage, ob Kriegsverbrecher vor Gericht gestellt werden sollen, wurde vor 1945 bestenfalls sehr uneinheitlich beantwortet. Aber in jenem Jahr wurde erstmals ein Internationales Militärtribunal (International Military Tribunal, IMT) eingerichtet, um Kriegsverbrechen strafrechtlich zu verfolgen. Die Autoren untersuchen sowohl die kurzfristigen Effekte des Nürnberger Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher als auch aktuelle Auswirkungen z. B. auf den Internationalen Strafgerichtshof. Die Aufsätze enthalten u. a. Analysen von sowjetischen Untersuchungen über Naziverbrechen während des Krieges und Analysen der Reaktion der deutschen Öffentlichkeit auf die Prozesse oder die aktuellen Konflikte der US-amerikanischen Rechts- und Verfassungsorgane mit dem Internationalen Strafgerichtshof. Alberto Costi schlägt eine neue Art von Gerichten vor, die er Hybrid-Gerichte (hybrid court) nennt und in der Tradition des Nürnberger Prozesses sieht. Diese sollen individuelle Kriegsverbrechen verfolgen und ihre Legitimität durch eine Zusicherung der Rechte des Angeklagten, der Bezugnahme auf internationales Recht und Personal beziehen. Er illustriert dies an existierenden Gerichten dieser Art in Ost-Timor, Sierra Leone und dem Kosovo. Rex A. Childers diskutiert die Relevanz der Internationalen Strafgerichtshofs (International Criminal Court, ICC) für die Praxis der US-Armee. In einer einführenden Überlegung legt Childers in einem Vergleich mit Jonathan Swifts „Gulliver“ nahe, dass der ICC ein Instrument zur Beschränkung amerikanischer Macht sei: „The goal of the ICC is similar: many of the earliest and most supportive states in this treaty made a rational decision to participate based on a preferred outcome (restriction of a superpower) at relatively minimal cost“ (188). Er führt weiter aus, dass die Normen des ICC bereits in den internen Richtlinien der Armee verankert sind, die zudem über ein System der Rechtsprechung verfüge. Ausgebliebene Verfahren wie im Falle von Folter in Abu Ghraib oder Guantanamo spricht Childers leider nicht an. Die Beiträge gehen auf eine Konferenz an der Bowling Green State Universität im Oktober 2006 zurück.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.1 | 4.3 | 2.312 | 2.313 | 2.64 | 2.4 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Beth A. Griech-Polelle (Hrsg.): The Nuremberg War Crimes Trial and its Policy Consequences Today Baden-Baden: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30833-the-nuremberg-war-crimes-trial-and-its-policy-consequences-today_36638, veröffentlicht am 02.07.2009.
Buch-Nr.: 36638
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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