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/ 22.06.2013
Ernst Wolfgang Becker

Theodor Heuss. Bürger im Zeitalter der Extreme

Stuttgart/Berlin/Köln: Verlag W. Kohlhammer 2011 (Mensch - Zeit - Geschichte); 184 S.; 18,90 €; ISBN 978-3-17-021490-3
Der erste Bundespräsident wurde von einer übergroßen Mehrheit der Bevölkerung als „Papa Heuss“ verehrt, prägte nachhaltig die frühe Bundesrepublik durch seine politischen Reden und trug maßgeblich dazu bei, den höchsten Amtsträger als eine würde- und respektvolle Person anzusehen. Becker gelingt es durch zahlreiche Quellenstudien, von Freunden und Weggefährten überlieferte Anekdoten sowie seine leicht verständliche und flüssige Sprache sowohl den intellektuellen Journalisten und Politiker als auch den selbstbewussten, bibliophilen Schwaben als Privatperson vorzustellen. In dieser Biografie werden zunächst die frühen Lebensstationen aussagekräftig und prägnant umrissen – etwa das bürgerliche Elternhaus mit der dort verfügbaren Literatur, Heuss’ frühe Faszination von Friedrich Naumann und dem streitbaren Universitätsprofessor Lujo Brentano sowie die Liebe zu Elly Knapp. Danach zeichnet der Autor ein Bild von Heuss, der vielseitig, vor allem politisch und literarisch interessiert, teilweise aber auch ein widersprüchlicher Mensch war: Obgleich Heuss nie Anhänger extremer Ideen war, stimmte er dem Ermächtigungsgesetz zu und musste sich auch Jahrzehnte danach kritisch mit dieser Entscheidung auseinandersetzen. Becker präsentiert eine informative und leicht verständliche Biografie, die durchaus wertet, aber an keiner Stelle Pauschalurteile fällt. Vielmehr behält der Autor stets die historischen Umstände im Blick und würdigt den Menschen Heuss, seine moralischen Überzeugungen und politischen Leistungen. Becker kommt am Ende seines Buches unter anderem zu dem Schluss, dass eine Persönlichkeit wie Heuss nach 1945 glaubwürdig für die Neubegründung der deutschen Demokratie stehen konnte. Gerade „weil es ihm gelang, sich als Bürger im ‚Zeitalter der Extreme‘ zu behaupten, verkörperte er das noch uneingelöste Versprechen einer freien und demokratischen Staatsbürgerschaft“ (179).
Ines Weber (IW)
M. A., Politikwissenschaftlerin (Kommunikationswissenschaftlerin, Psychologin), wiss. Mitarbeiterin, Institut für Sozialwissenschaften, Christian-Albrechts-Universität Kiel.
Rubrizierung: 2.32.31 Empfohlene Zitierweise: Ines Weber, Rezension zu: Ernst Wolfgang Becker: Theodor Heuss. Stuttgart/Berlin/Köln: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33901-theodor-heuss_40623, veröffentlicht am 27.01.2012. Buch-Nr.: 40623 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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