Skip to main content
/ 17.06.2013
Hellmut G. Haasis

Tod in Prag. Das Attentat auf Reinhard Heydrich

Reinbek: Rowohlt 2002; 217 S.; 19,90 €; ISBN 3-498-02965-7
Am 27. Mai 1942 wurde Heydrich, seit 1936 Chef der Gestapo und des Sicherheitsdienstes und seit September 1941 zudem Hitlers Reichsprotektor in Prag, bei einem Anschlag auf seinen Dienstwagen in einem Vorort der tschechischen Hauptstadt tödlich verwundet. Das Attentat war von zwei aus England eingeschleusten Agenten des tschechischen Geheimdienstes im Auftrag des Präsidenten der Exilregierung in London, Edvard Benes, monatelang geplant worden. Unterstützt wurden sie darin von verschiedenen Mitgliedern tschechischer Widerstandsgruppen, von denen sie während der Vorbereitungen versteckt, ausgerüstet und mit den nötigen Informationen versorgt wurden; den Anschlag selbst führten sie jedoch allein aus. Der bereits unter Führung von Heydrich entwickelte Terror gegen den tschechischen Widerstand und die Zivilbevölkerung erfuhr in der Folge des Attentats eine erneute Steigerung, die im Massaker von Lidice am 9. Juni 1942, dem Tag der Beisetzung Heydrichs in Berlin, gipfelte: Das willkürlich ausgewählte Bergarbeiterdorf wurde dem Erdboden gleichgemacht, nachdem alle männlichen Bewohner erschossen, alle Frauen in Konzentrationslager deportiert und alle Kinder verschleppt worden waren. Dennoch wirkte der erfolgreiche "Tyrannenmord" als Fanal, das den allenthalben verbreiteten Mythos von der Unverwundbarkeit der führenden NS- und vor allem SS-Funktionäre in den besetzten Ländern Europas schwer beschädigte. Der Autor rekonstruiert Planung, Umstände und Ablauf des Attentats anhand von Dokumenten aus tschechischen, deutschen und schweizerischen Archiven sowie der Angaben von Zeitzeugen. An den Anfang stellt er dabei ein "Psychogramm" Heydrichs, um Denkweise und Verhalten des Cheforganisators des NS-Terrors (Heydrich leitete u. a. die Wannsee-Konferenz) deutlich zu machen, und stellt dem Charakterisierungen der wichtigsten an der Durchführung des Anschlags beteiligten Widerstandskämpfer gegenüber. An die minutiöse Darstellung der Ereignisse vom 27. Mai schließt sich die Beschreibung der brutalen Fahndungs- und Vergeltungsmaßnahmen durch SS-Einheiten an, der weit mehr Personen als die Täter und die meisten ihrer Helfer aus dem Widerstand zum Opfer fielen. Schließlich untersucht der Autor, warum nach 1945 kaum ernsthafte Versuche unternommen wurden, die Umstände des Attentats und die Rolle der daran Beteiligten und ihrer Verfolger aufzuklären.
Michael Hein (HN)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Arbeitsstelle für graphische Literatur, Universität Hamburg, freier Lektor, Übersetzer, Publizist.
Rubrizierung: 2.3122.622.25 Empfohlene Zitierweise: Michael Hein, Rezension zu: Hellmut G. Haasis: Tod in Prag. Reinbek: 2002, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/16790-tod-in-prag_19290, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 19290 Rezension drucken
CC-BY-NC-SA