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/ 19.06.2013
Nadine Reis

Tracing and Making the State. Policy practices and domestic water supply in the Mekong Delta, Vietnam

Wien/Berlin: Lit 2012 (ZEF Development Studies 20); XII, 253 S.; 29,90 €; ISBN 978-3-643-90196-5
Agrarwiss. Diss. Bonn. Begutachtung: P. Mollinga, T. Heckelei. – Wasserpolitik kann als ein zentrales Politikfeld angesehen werden, das gerade aufgrund der Wasserknappheit in vielen Regionen in Zukunft noch an Bedeutung gewinnen wird. Reis beschäftigt sich mit diesem Thema mit dem Ziel, zum einen die Politikprozesse der Wasserversorgung im Mekong-Delta zu beschreiben. Zum anderen wird auch ein theoretischer Beitrag zum Verständnis des vietnamesischen Staates geleistet. Die Autorin stellt fest, dass die politischen Entscheidungen in diesem Politikfeld nicht die Bedürfnisse der ländlichen Bevölkerung berücksichtigen, sondern dass die Bürokratie eher sich selbst verwaltet. Die ländliche Bevölkerung habe nach wie vor selten Zugang zu sauberem Wasser, müsse verschmutztes nutzen und leide entsprechend unter Gesundheitsproblemen. Um diese Politik zu erklären, entwickelt Reis die These, dass der vietnamesische Staat aus zwei Sphären besteht. In der formellen Sphäre werde der Eindruck einer rationalen Planung mit dem Ziel der Bereitstellung von staatlichen Leistungen für die Bevölkerung erweckt, während in der informellen Sphäre die Macht der kommunistischen Partei und die privaten Interessen der Funktionäre im Vordergrund stehen. Diese beiden Sphären widersprechen sich jedoch nicht, sondern seien beide ein integraler Teil des Staatssystems, wobei die informelle Sphäre die alltägliche Politik bestimme. Dies belegt Reis, indem sie die Art der Legitimitätsgewinnung durch die vietnamesischen Herrscher beziehungsweise die kommunistische Partei beleuchtet, durch die es gelinge, ein Bild des Staates zu evozieren, nachdem der Staat effektiv die Bedürfnisse der Bevölkerung bediene. Dieses Bild werde auch im Zusammenhang mit der Wasserversorgung erfolgreich erschaffen, was sich daran zeige, dass neben der Bevölkerung auch internationale Entwicklungsorganisationen die vietnamesische Entwicklung für erfolgreich halten. Der Autorin gelingt es mit dieser Argumentation, verschiedene Phänomene in Vietnam wie die Stabilität des staatlichen Systems, das Aufkommen ökonomischen Wachstums ohne Forderungen nach einer Demokratisierung oder die Ausweitung der Bürokratie zu erklären.
Jan Achim Richter (JAR)
Dipl.-Politologe, Doktorand, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 2.682.263 Empfohlene Zitierweise: Jan Achim Richter, Rezension zu: Nadine Reis: Tracing and Making the State. Wien/Berlin: 2012, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/21678-tracing-and-making-the-state_42647, veröffentlicht am 22.11.2012. Buch-Nr.: 42647 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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