/ 11.06.2013
Rudolf Weber-Fas
Über die Staatsgewalt. Von Platons Idealstaat bis zur Europäischen Union
München: C. H. Beck 2000; VI, 335 S.; Ln., 86,- DM; ISBN 3-406-45795-9Staatsvorstellungen und -entwürfe von der Antike bis zur Postmoderne darzulegen, ist Anliegen dieses Buches; doch der bei der Vielzahl der Autoren dem einzelnen Denker gewährte Raum ist allzu knapp bemessen. So wirkt die Reduzierung des Materials unausweichlich auf die Inhalte zurück und lässt den Leser mit den Fragen, die der derart massiv verkürzte Text hinterlässt, allein. Eben noch wurde uns Hegel als Apologet des reinen Machtstaates vorgestellt (3), nun wird ihm vorgeworfen, den Staat "als Wirklichkeit der sittlichen Idee" (4) (miss-) verstanden zu haben. Was gilt nun? Von Aristoteles erfahren wir, dass seine Staatsformenlehre geschichtlich besondere Wirkung entfaltet habe - aber stammt diese Staatsformenlehre nicht aus Platons "Politikos", der hier gar nicht erwähnt wird? Und, jenseits solcher Einzelfragen: Welcher Gewichtung des Autors ist es zu verdanken, wenn Machiavellis intellektuell anspruchslosen Ratschlägen zur Erhaltung und Gewinnung von Macht ca. acht Seiten, einem so komplexen philosophischen Text wie Platons "Politeia" dagegen ganze drei Seiten gewidmet werden? Der Wunsch, gebündelte und griffige Informationen zu vermitteln, ist das eine; die Möglichkeit, dies bei einem derart gewichtigen und inhaltlich reichen Thema auch realisieren zu können, das andere. So bleibt nur ein Gefühl des Unbehagens - oder der Griff zu den Originalen.
Barbara Zehnpfennnig (BZ)
Prof. Dr., Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
Rubrizierung: 5.3
Empfohlene Zitierweise: Barbara Zehnpfennnig, Rezension zu: Rudolf Weber-Fas: Über die Staatsgewalt. München: 2000, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11491-ueber-die-staatsgewalt_13636, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 13636
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Prof. Dr., Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Universität Passau.
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