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/ 20.06.2013
Erik M. Vogt / Hugh J. Silverman (Hrsg.)

Über Žižek. Perspektiven und Kritiken. Mit einem Beitrag von Slavoj Žižek. Übersetzt und mit einem Einleitungstext versehen von Erik M. Vogt

Wien: Turia + Kant 2004; 255 S.; 22,- €; ISBN 3-85132-368-8
Der Sammelband ist einer der wenigen, die sich ausschließlich dem Werk des slowenischen Lacanianers widmen. Anders als der Titel vermuten lässt, beschäftigte sich die zugrunde liegende Tagung des „International Philosophical Seminar“ im Juli 2002 aber nur mit Žižeks „Die Tücke des Subjekts“. Die Beiträge wurden durchweg von Philosophen verfasst, sodass sich der Band von der angelsächsischen, eher kulturtheoretischen Rezeption Žižeks abhebt. In zumeist essayistischem bis polemischem Stil üben die Autorinnen und Autoren zum Teil heftige Kritik. Die politikwissenschaftlich interessantesten (und am wenigsten kryptischen) Texte haben Tony O'Connor (über Kontingenz und Genealogie) und Thomas R. Brockelman (über Heideggers Technikkritik) geschrieben. Auch der Text von Žižek selbst, der sich am Ende des Buches mit Herrschaft aus der Sicht Lacans beschäftigt, zählt dazu. Seine These besagt, dass der Kapitalismus und die totalitäre Bürokratie die beiden Existenzformen des für die Moderne hegemonialen „Diskurses der Universität“ (229) sind. O'Connor summiert in seinem äußerst lesenswerten Aufsatz den Argumentationsgang Žižeks bis zum kritischen Punkt, an dem dessen Denken dezisionistisch zu werden droht, um dieses daraufhin mit der Genealogie Foucaults zu ergänzen. Brockelman dagegen korrigiert und ergänzt mit Žižek die Kritik Heideggers an Technik, Instrumentalität und Objektivismus an der Stelle, wo sie in Passivität und antimodernes Ressentiment umschlägt. Darüber hinaus beschäftigt sich der Beitrag mit den Problemen der Repräsentation und der Kontingenz in der politischen Moderne, unter deren Bezugnahme erst ein echtes Verständnis von Freiheit entsteht. Aus dem Inhalt: Erik M. Vogt: Einleitung: Žižek - Denkeinsätze (7-25) 1. Postmoderne, Kontingenz, Gesetz Hugh J. Silverman: Über „Being postmodern”: Žižeks tückische Subjekte (27-38) Tony O'Connor: Post-Politik: Kontingent und Genealogie (39-56) Gary E. Aylesworth: Der Terror und das Versprechen: Žižek und Derrida vor dem Gesetz (57-73) 2. Akt, Sex, Exkrementelles Marc de Kesel: „Ist Antigone nicht eine proto-totalitäre Figur?“ Zu Slavoj Žižeks Interpretation von Antigone (74-94) Mary Anne Franks: Von Sex und anderen Akten (95-117) James R. Watson: Putemus ergo sumus: Žižek oder Rorty? (118-134) 3. Technik, Medien, Ereignis Thomas R. Brockelman: Stolz und Phantasma: Heidegger gegen Žižek über Technik (135-161) Henk Oosterling: Radikale Mediokrität oder revolutionäre Akte? Über fundamentales Inter-esse (162-190) Thomas R. Flynn: Das Ereignis lesen: Žižek liest Badiou über den Heiligen Paulus (191-209) Slavoj Žižek: Herrschaftsstruktur heute - eine lacanianische Sicht (210-230)
Stefan Militzer (SM)
Dr., Publizist, Frankfurt a. M.
Rubrizierung: 5.46 Empfohlene Zitierweise: Stefan Militzer, Rezension zu: Erik M. Vogt / Hugh J. Silverman (Hrsg.): Über Žižek. Wien: 2004, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/22887-ueber-iek_26137, veröffentlicht am 01.01.2006. Buch-Nr.: 26137 Rezension drucken
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