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/ 21.06.2013
Institut für Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e. V. (Hrsg.)

Umweltschutz in der DDR. Analysen und Zeitgeschichte. In drei Bänden. Band 1: Politische und umweltrechtliche Rahmenbedingungen, Band 2: Mediale und sektorale Aspekte, Band 3: Beruflicher, ehrenamtlicher und freiwilliger Umweltschutz. Bearb. von Hermann Behrens und Jens Hoffmann

München: oekom verlag 2007; III, 325, 433, 371 S.; 54,80 €; ISBN 978-3-86581-059-5
Wenn in einem Land die Chemieindustrie ganze Regionen verseucht und giftige Schwaden aus der Braunkohleverfeuerung sich auf die Städte legen, kann es mit Umweltpolitik nicht weit her gewesen sein, sollte man annehmen. In ihrer bemerkenswerten Studie zeigen die Herausgeber, dass dies keineswegs so war. Insgesamt 46 Autorinnen und Autoren untersuchen von den politisch-institutionellen Bedingungen bis hin zu konkreten Einzelprojekten in den Regionen die gesamte Bandbreite der Umweltpolitik in der DDR. Darunter sind sowohl Zeitzeugen als auch Sozialwissenschaftler, sodass ein umfassendes Bild entsteht. Es zeigt sich eine ziemliche Diskrepanz zwischen nominellen Rahmenbedingungen und ideologischem Hintergrund einerseits sowie den tatsächlichen Zuständen andererseits. Aus politikwissenschaftlicher Sicht sind insbesondere der erste und der dritte Band interessant: Der erste enthält eine Darstellung der politischen und umweltrechtlichen Rahmenbedingungen für die Umweltpolitik in der DDR. Neben der Organisation des Umweltschutzes werden auch die philosophischen und ideologischen Grundlagen der Umweltpolitik dargestellt. Im dritten Band stellen Zeitzeugen die konkrete Umweltpolitik einzelner Institutionen vor. Der Schwerpunkt liegt dabei auf universitären Einrichtungen. Zudem wird die unabhängige Umweltbewegung analysiert, die im Westen lange Zeit im Mittelpunkt des Interesses stand, weil sie unter dem Dach der evangelischen Landeskirchen nicht selten staatskritische Züge trug. Das Engagement für Natur- und Umweltschutz wurde unter den ökonomischen Bedingungen der DDR jedoch ein ums andere Mal konterkariert. Trotz sinnvoller Ansätze, wie z. B. dem SERO-System zur Erfassung von Sekundär-Rohstoffen begrenzten die rein stofflichen Voraussetzungen und Prozesse in der DDR-Ökonomie die Reichweite und die Handlungsmöglichkeiten des Umweltschutzes. Dies wird nicht zuletzt im zweiten Band deutlich, in dem einzelne konkrete Politikfelder der Umweltpolitik untersucht werden. So entsteht ein umfassendes, wenngleich keineswegs vollständiges Bild eines bislang eher vernachlässigten Bereichs der DDR-Politik. Im ersten Band listet Hermann Behrens gleich die entsprechenden Forschungsdesiderata auf.
Walter Rösch (WR)
M. A., Politikwissenschaftler.
Rubrizierung: 2.314 Empfohlene Zitierweise: Walter Rösch, Rezension zu: Institut für Umweltgeschichte und Regionalentwicklung e. V. (Hrsg.): Umweltschutz in der DDR. Analysen und Zeitgeschichte. In drei Bänden. München: 2007, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/29459-umweltschutz-in-der-ddr-analysen-und-zeitgeschichte-in-drei-baenden_34861, veröffentlicht am 10.02.2009. Buch-Nr.: 34861 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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