Skip to main content
/ 22.06.2013
Reinhard Heil / Andreas Hetzel / Dirk Hommrich (Hrsg.)

Unbedingte Demokratie. Fragen an die Klassiker neuzeitlichen politischen Denkens

Baden-Baden: Nomos Verlagsgesellschaft 2011 (Zeitgeschichtliche Diskurse des Politischen 1); 245 S.; 39,00 €; ISBN 978-3-8329-6238-8
Der Band ist der erste in einer von Oliver Flügel-Martinsen (Bielefeld) und Andreas Hetzel (Darmstadt) neu herausgegebenen Reihe zu „zeitgeschichtlichen Diskursen des Politischen“. Der etwas unglücklich gewählte Titel des Bandes – welcher soziale oder politische Sachverhalt ließe sich im Zeitalter der Kontingenz analytisch noch mit dem Attribut der Unbedingtheit fassen? – fokussiert letztlich das auf Laclau und Mouffe zurückreichende postmarxistische Konzept der radikalen Demokratie: Inwieweit, so fragen die Autoren, nehmen „die klassisch neuzeitlichen Theorien des Politischen bereits Elemente radikaldemokratischen Denkens vorweg“ (8)? Damit wird mit dem Band eine heuristisch schwierige Richtung eingeschlagen, da einander Abwesende in einen diachronen, noch dazu zeitlich rekonstruktiven Diskurs gezwungen werden, der dann dazu taugen soll, Autorinnen und Autoren zu Bannerträgern einer Theorie zu stilisieren, die diese wiederum nicht nur nicht kannten, sondern zu der sie sich auch nicht geäußert haben. Ob etwa Hannah Arendt, die ja explizit den Terminus „Politische Theorie“ für sich beanspruchte, um gerade ihre Distanz zu welcher Welterklärungserzählung auch immer auszudrücken, sich über die namentliche Erwähnung im Vorwort gefreut hätte, scheint daher zweifelhaft. Solche Glasperlenspiele kann man betreiben – sie sind hier auch gewiss handwerklich sauber ausgeführt und schön anzuschauen – jedoch ist auch Josef Knecht in Hesses Roman letztlich an der Selbstbezogenheit des Spiels zerbrochen. Indes, dem Band gebührt in der Tat das Verdienst, einige im deutschen Diskurs der Politischen Theorie zu Unrecht immer noch im Abseits stehende Theoretiker ein wenig mehr ins Gespräch zu bringen. Und so sind etwa die Beiträge von Andreas Hetzel, Alain Brossat, Felix Trautmann, Wim Weymans und Georg Zenkert durchaus ein Gewinn, wenngleich sie alle kaum angetan sein dürften, „die neue Revolution des jungen Jahrtausends“ (214) anzuführen. Denn wenn das der Kern der unbedingten Demokratie wäre, dann wäre sie noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen. „Radikale Demokratie“, so Marc Ziegler zu Abschluss seines Beitrages, „bleibt daher stets noch im Kommen“ (238). Insofern gilt das „Prinzip Hoffnung“ (Bloch) und man wird gespannt sein dürfen.
Matthias Lemke (LEM)
Dr. phil., Politikwissenschaftler (Soziologe, Historiker), wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Helmut-Schmidt-Universität Hamburg.
Rubrizierung: 5.415.325.33 Empfohlene Zitierweise: Matthias Lemke, Rezension zu: Reinhard Heil / Andreas Hetzel / Dirk Hommrich (Hrsg.): Unbedingte Demokratie. Baden-Baden: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/33847-unbedingte-demokratie_40559, veröffentlicht am 22.09.2011. Buch-Nr.: 40559 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
CC-BY-NC-SA