/ 11.06.2013
Stephan Bundschuh
"Und weil der Mensch ein Mensch ist ..." Anthropologische Aspekte der Sozialphilosophie Herbert Marcuses
Lüneburg: zu Klampen Verlag 1998 (Kritische Studien 12); 299 S.; pb., 64,- DM; ISBN 3-924245-71-1Durch die Diskontinuitäten des Marcuseschen Werkes ziehen sich nach Auffassung des Autors anthropologische Grundannahmen über die Natur des Menschen hindurch. Ob in der existentialistischen Konzentration auf das Individuum im Frühwerk, der Analyse der spätkapitalistischen Gesellschaft und der Diagnose der Entmächtigung des Subjekts in der kritischen Gesellschaftstheorie oder im Insistieren auf der rebellischen Kraft der Subjektivität in gesellschaftlichen Randgruppen beim späten Marcuse - jeweils gelingt es dem Autor (existential-)ontologische Annahmen bei dem von Hegel geprägten und daher in historischen Kategorien denkenden Philosophen nachzuweisen. Leitfaden der Untersuchung bildet der Topos einer "dualen Anthropologie" (11), der es erlaubt, das Marcusesche Werk systematisch in zwei Phasen zu untergliedern: eine "Anthropologie des bürgerlichen Zeitalters" (24-145), in der Marcuse Grundzüge einer "historisch entstandenen zweiten Natur des Menschen" (14) skizziert sowie eine "Anthropologie in praktischer Absicht" (146-240), die Marcuse aus den gegenwärtigen Verhältnissen extrapoliert, um ein Regulativ für deren Beurteilung zu gewinnen. Obwohl als konkrete Utopie (Bloch) entworfen, erhalten Marcuses Entwürfe nach Bundschuh "abstrakten Status, wenn der gesellschaftliche Verblendungszusammenhang so absolut ist, daß er die auf der Tagesordnung stehende Realisierung der Utopie wirkungsvoll unterbindet" (21). Als Ausweg bleibt dann nur noch der "Fluchtpunkt Ästhetik" (241-260), da Kunst durch ihre Autonomie sich den Vereinheitlichungszwängen der inhärent totalitären bürgerlichen Gesellschaft entzieht: "Nur durch ihre Zwecklosigkeit erhält sie [die Kunst] einen gesellschaftlichen Zweck, die Zwecklosigkeit allein ist schon eine Befreiung von der instrumentellen Vernunft und ein Weg, um die Dinge selbst sprechen zu lassen." (241)
Florian Weber (FW)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 5.42 | 5.46
Empfohlene Zitierweise: Florian Weber, Rezension zu: Stephan Bundschuh: "Und weil der Mensch ein Mensch ist ..." Lüneburg: 1998, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/11470-und-weil-der-mensch-ein-mensch-ist-_13613, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 13613
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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