/ 18.06.2013
Stuart E. Eizenstat
Unvollkommene Gerechtigkeit. Der Streit um die Entschädigung der Opfer von Zwangsarbeit und Enteignung. Aus dem Amerikanischen von Helmut Ettinger und Holger Fließbach
München: C. Bertelsmann 2003; 477 S.; 24,90 €; ISBN 3-570-00680-8„Die Welt heilen" (445) - dieser Grundsatz der jüdischen Religion habe ihn motiviert, schreibt der Jurist Eizenstat. Er war als US-Botschafter bei der EU tätig, als er 1995 zum „Sonderbeauftragten für die Rückerstattung von Eigentum" ernannt wurde. Die US-Regierung begann damit die Versuche von Holocaust-Opfern und deren Nachfahren zu unterstützen, an ihr vor 1945 auf Schweizer Banken eingezahltes Vermögen zu gelangen. Eizenstat beschreibt sehr anschaulich, wie die Schweizer Bankiers die Existenz dieser Konten erst leugneten und dann aus Furcht vor der öffentlichen Meinung und vor negativen Auswirkungen auf ihre Geschäfte auf dem US-amerikanischen Markt der Aufklärung dieser verschollenen Konten und schließlich auch einer Entschädigungszahlung zustimmten. Die Beteiligten - die Bankiers, der New Yorker Senator D'Amato, die Vertreter des Jüdischen Weltkongresses, die Anwälte und der Richter - werden mit ihren Stärken und Schwächen geschildert. Ihre Motive und ihr Vorgehen sowie die schwierigen Verhandlungen beschreibt Eizenstat so anschaulich, dass der Leser einen unmittelbaren Eindruck gewinnt. Die Ergebnisse, an deren Zustandekommen Eizenstat beteiligt war - u. a. die Zahlungen der Schweizer Banken und das Abkommen mit der deutschen Wirtschaft über die Entschädigung der NS-Opfer von Zwangsarbeit und Enteignung - bewertet er durchaus kritisch. Viele der Opfer seien bereits verstorben, die Überlebenden würden nur unzulänglich entschädigt. Eizenstat erkennt auch die Position vieler Kritiker dieser Verhandlungen an, die das Geld als ungeeignetes Mittel der Wiedergutmachung ansehen. Dennoch, so Eizenstat, sei die Entschädigung ein Zeichen an die Opfer, dass sie nicht vergessen wurden. Außerdem, so seine Hoffnung, „entwickelten [wir] neue Konzepte, die vielleicht auch zukünftig bei massenhafter Verletzung der Menschenrechte anwendbar sind" (442).
Natalie Wohlleben (NW)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 2.2 | 2.35 | 2.4 | 2.5 | 4.2 | 4.42
Empfohlene Zitierweise: Natalie Wohlleben, Rezension zu: Stuart E. Eizenstat: Unvollkommene Gerechtigkeit. München: 2003, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/18925-unvollkommene-gerechtigkeit_21956, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 21956
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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