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/ 22.06.2013
Philip Thelen

Vergleich in der Weltgesellschaft. Zur Funktion nationaler Grenzen für die Globalisierung von Wissenschaft und Politik

Bielefeld: transcript Verlag 2011; 376 S.; kart., 32,80 €; ISBN 978-3-8376-1913-3
Soziolog. Diss. Hagen; Begutachtung: U. Schimank. – Thelen untersucht aus systemtheoretischer Perspektive die Funktion nationaler Grenzen für Prozesse der Globalisierung. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass zum einen die Weltgesellschaft aufgrund der modernen Kommunikationsmittel zumindest als Potenzialität bereits seit einigen Jahrhunderten vorhanden ist. Zum anderen aber lässt die systemtheoretische Perspektive keine sinnvolle Aufgliederung in nationale Gesellschaften zu, da die Gesellschaft als Funktionssystem eben letztendlich nur als Weltgesellschaft denkbar ist. Dementsprechend konnte die Systemtheorie zu Prozessen nationaler Schließung, vor allem im Verlauf des 19. Jahrhunderts, bislang wenig sagen. Der Autor entwirft nun die These, dass es sich hierbei nicht um einen Widerspruch handelt. Vielmehr habe die aktiv herbeigeführte Schließung von Funktionssystemen letztlich vor allem dem Ziel der Komplexitätsreduktion gedient, damit die Möglichkeit nationenübergreifender Austauschprozesse geschaffen und somit schließlich erst die Entstehung globaler Funktionssysteme ermöglicht. Diese Thesen untersucht Thelen an den Beispielen des Wissenschaftssystems (mithilfe einer Zitationsanalyse in den Disziplinen Physik und Geschichtswissenschaft) und des politischen Systems (anhand der Analyse des Staatsangehörigkeitsrechts) in Deutschland und Frankreich. Er zeigt, dass sich die Globalisierungsdynamik von Funktionssystemen in zwei Stufen entfaltete. Zunächst kam es trotz der gleichzeitigen revolutionären Entwicklungen in der Informationstechnologie zu strukturellen Prozessen nationaler Schließungen. Dies geschah, so der Autor, aufgrund der mit eben diesen revolutionären Neuerungen verbundenen Überforderung der Systeme und diente der Reduktion von Komplexität. In einem zweiten Schritt aber „konstituiert die Semantik des Systems […] einen neuen, nationale Grenzen übergreifenden Vergleichszusammenhang“ (327), der eine nationale Grenzen überflüssig machende Standardisierungswirkung entfaltet und somit schließlich zu einer Globalisierung des Systems führt.
Björn Wagner (BW)
Dipl.-Politologe, Doktorand und Lehrbeauftragter, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.24.15.425.2 Empfohlene Zitierweise: Björn Wagner, Rezension zu: Philip Thelen: Vergleich in der Weltgesellschaft. Bielefeld: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34734-vergleich-in-der-weltgesellschaft_41750, veröffentlicht am 16.02.2012. Buch-Nr.: 41750 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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