/ 21.06.2013
Friedhelm Boll / Wiesław Wysocki / Klaus Ziemer (Hrsg.)
Versöhnung und Politik. Polnisch-deutsche Versöhnungsinitiativen der 1960er-Jahre und die Entspannungspolitik
Bonn: Verlag J. H. W. Dietz Nachfolger 2009 (Archiv für Sozialgeschichte. Beiheft 27); 425 S.; geb., 48,- €; ISBN 978-3-8012-4194-0Im Herbst 1965 bewegten zwei parallele Ereignisse die deutsche wie auch die polnische Gesellschaft: die Ostdenkschrift der Evangelischen Kirche in Deutschland im Oktober mit dem Titel „Die Lage der Vertriebenen und das Verhältnis des deutschen Volkes zu seinen östlichen Nachbarn“ sowie der Brief der katholischen Bischöfe Polens im November des Jahres an ihre deutschen Amtsbrüder. Kein Vorgang habe das fragile Verhältnis von katholischer Kirche und polnischem Staat zur kommunistischen Zeit stärker belastet als dieses Dokument mit dem berühmten Satz „Wir vergeben und bitten um Vergebung“ (11), so das Herausgebertrio. Den 40. Jahrestag der kirchlichen polnisch-deutschen Versöhnungsinitiativen nahmen die Friedrich-Ebert-Stiftung und das Deutsche Historische Institut in Warschau zusammen mit den Katholischen und Evangelischen Akademien zu Berlin sowie der Kardinal-Wyszyński-Universität in Warschau zum Anlass, um in drei Konferenzen an die Ereignisse zu erinnern und deren Wirkungen nachzuzeichnen. Daraus ist dieser umfangreiche Band entstanden, an dem deutsche und polnische Historiker sowie eine Vielzahl von Zeitzeugen mitgewirkt haben. Die beiden Grundsatzdokumente der deutsch-polnischen Aussöhnung dokumentieren laut Boll, Wysocki und Ziemer zweierlei: Erstens sind sie aus internen Diskussions- und Klärungsprozessen hervorgegangen, sie basieren auf eigenen Überlegungen und demonstrieren das Bedürfnis, „die tiefe Kluft zu überwinden, die die beiden Nachbarvölker zwei Jahrzehnte lang trennte“. Zweitens unterstreicht die Verunsicherung, die die Dokumente hervorriefen, „die Entfremdung zwischen beiden Gesellschaften und die anhaltenden Probleme der Annäherung“ (11). Zurecht würden die beiden Texte als eine Voraussetzung der sozial-liberalen Entspannungspolitik und des Beginns der Solidarność-Bewegung gelten. Selten seien kirchliche Initiativen und staatliches Handeln in der Geschichte der Bundesrepublik so eng miteinander verflochten gewesen wie im Falle der deutsch-polnischen Aussöhnung.
Sabine Steppat (STE)
Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
Rubrizierung: 4.2 | 4.21 | 4.22 | 2.61 | 2.23 | 2.35
Empfohlene Zitierweise: Sabine Steppat, Rezension zu: Friedhelm Boll / Wiesław Wysocki / Klaus Ziemer (Hrsg.): Versöhnung und Politik. Bonn: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/31634-versoehnung-und-politik_37677, veröffentlicht am 10.03.2010.
Buch-Nr.: 37677
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Dipl.-Politologin, Redakteurin pw-portal.de.
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