/ 20.06.2013
Tina Kuberka
Versuche, in der Welt zu Hause zu sein. Hannah Arendt: Schreiben als Verstehen
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2005 (Europäische Hochschulschriften: Reihe I, Deutsche Sprache und Literatur 1914); 162 S.; brosch., 34,- €; ISBN 3-631-53833-2Diss. Hannover. – Das Erlebnis der Entwurzelung sei eine der prägendesten Erfahrungen im Leben Hannah Arendts. Die Ausgrenzung aus der Gesellschaft habe sich mit Arendts Emigration in die USA zum Gefühl der Heimatlosigkeit gesteigert. Nachdem Arendt ihr Heimatland verlassen hatte, habe sie in der intellektuellen Gemeinschaft mit Mitmenschen eine neue, „geistige Heimat“ (12) gefunden. Kuberka untersucht die Versuche Hannah Arendts, „in der Welt zu Hause zu sein“. Entwurzelung wurde von Arendt „auch als Chance begriffen“ und ihre Suche nach einer Heimat unterliege nicht dem Anspruch, ein Ziel zu erreichen. Kuberka hinterfragt unterschiedliche Formen von Entwurzelung im Leben und Werk der Intellektuellen und den Begriff der Heimat. Arendt habe erkannt, dass „individuelle Erfahrungen das Heimatgefühl begründen und nicht eine Staats-, Volks- oder Religionszugehörigkeit“ (152). Ihr verlorenes Heimatgefühl versuchte Arendt, schreibend zurückzugewinnen. So seien ihre Werke nicht als reine Niederschriften von vollendeten Gedanken zu verstehen, sondern vielmehr Vorarbeiten zum eigenen Verständnis. Fehlende Zusammenhänge habe sie sich über das Schreiben erschließen können. Für ihre Arbeit zieht die Autorin überwiegend biografische und sozialpsychologische Ansätze heran. Die Beschreibung von Arendts wesentlichen Lebensabschnitten wird mit einer Analyse ihrer Hauptwerke sowie den umfangreichen Briefwechseln mit Heidegger und Jaspers und dem Denktagebuch zu einer Gesamtbetrachtung verbunden. Diese Publikation dürfte eine stark gekürzte Version der Dissertation Kuberkas sein, weshalb vieles ungenau bleibt und Zusammenhänge fehlen. Das Buch gibt dennoch einen Einblick in die geistige Welt Hannah Arendts.
Merle Vetterlein (MEV)
Dipl.-Politologin, Doktorandin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg (IFSH).
Rubrizierung: 5.46 | 2.1
Empfohlene Zitierweise: Merle Vetterlein, Rezension zu: Tina Kuberka: Versuche, in der Welt zu Hause zu sein. Frankfurt a. M. u. a.: 2005, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/24148-versuche-in-der-welt-zu-hause-zu-sein_27818, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 27818
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Dipl.-Politologin, Doktorandin, Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik der Universität Hamburg (IFSH).
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