/ 11.06.2013
Egbert Scheunemann
Vom Denken der Natur. Natur und Gesellschaft bei Habermas
Hamburg: Lit 1999 (Politikwissenschaft 58); 121 S.; brosch., 49,80 DM; ISBN 3-8258-3197-3Für den nicht spezialisierten Politikwissenschaftler ist es schwer, sich zwischen den zahlreichen Publikationen von und über Habermas zurechtzufinden. Scheunemann versucht weniger eine übergeordnete Bestandsaufnahme des Naturbegriffs als eine Einordnung innerhalb der Habermasschen Theorie vorzunehmen, also den archimedischen Punkt nicht in der Theoriediskussion, sondern bei Habermas selbst zu finden. In einem ersten Teil wird die Gesellschafts- und Rationalitätstheorie Habermas' in weiten Zügen umrissen. Indem der Autor herausstellt, daß Habermas seine Rationalitätstheorie als Gesellschaftstheorie versteht, leitet er zum Zusammenhang zwischen Natur und Gesellschaft über. In einem dritten Abschnitt geht der Autor kurz auf die Kritik ein, die die Habermassche Theorie als anthropozentrisch bezeichnet, weil in ihr "Natur nur als Objekt des Zugriffes instrumenteller Vernunft im Dienste rein menschlicher Interessen und Bedürfnisse vorkomme" (9). Im Ergebnis zeigt Scheunemann auf, daß gerade bei Habermas Natur allein als ein Gegenstand moralischer Argumentation zu verstehen ist. Der Autor weist zu Recht auf die Gefahren anderer, naturbegründeter Ideologien hin, in denen die Natur als Bezugspunkt und Bewertungsmaßstab und nicht wie bei Habermas als der eigentümlich zwanglose Zwang des besseren Argumentes in einem moralischen Dialog zwischen vernunftbegabten Menschen zu suchen ist (11).
Thomas Morick (TM)
Dipl.-Politologe.
Rubrizierung: 5.46 | 5.42
Empfohlene Zitierweise: Thomas Morick, Rezension zu: Egbert Scheunemann: Vom Denken der Natur. Hamburg: 1999, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/9969-vom-denken-der-natur_11790, veröffentlicht am 01.01.2006.
Buch-Nr.: 11790
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Dipl.-Politologe.
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