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/ 22.06.2013
Amitai Etzioni

Vom Empire zur Gemeinschaft. Ein neuer Entwurf der internationalen Beziehungen. Aus dem Amerikanischen von Karin Wördemann

Frankfurt a. M.: S. Fischer 2011; 362 S.; geb., 22,95 €; ISBN 978-3-10-017024-8
Amitai Etzioni, 1929 als Werner Falk in Köln geboren, kam 1959 nach dem Studium in Israel in die USA, lehrte an verschiedenen US-amerikanischen Universitäten, war Berater Präsident Carters und gilt als Hauptvertreter des Kommunitarismus. Wichtige Akzente hat er 1968 mit seinem Buch „The Active Society“ gesetzt, in dem er die Gesellschaft soziologisch als Transformationsobjekt und den Einzelnen politikwissenschaftlich als Aktivbürger charakterisiert. Wichtig ist ihm dabei der Aspekt des Gemeinwesens, dessen konstituierendes Element die Verantwortungsgesellschaft ist. In seinem neuesten Buch stellt er diesen Gedankenansatz in einen globalen Kontext. Ausgangspunkt ist der Befund einer in Formierung begriffenen fluiden Multipolarität, nachdem das Ziel eines amerikanischen Empires gescheitert ist. Wie kann deshalb zukünftig eine tragfähige Weltautorität und Sicherheitsarchitektur aufgebaut werden? Denn: „Das alte System ist überlastet.” (209) Unabdingbar sind nach Etzioni „neue globale Behörden” (235) und „supranationale Organe” (263). Ihre Aktivitäten sollten den globalen politischen, ökonomischen und sozialen Disparitäten gelten. Drei politische Kompetenzen sieht er dafür als notwendig an: „1. die legitime Kontrolle der Gewaltmittel, welche diejenige der Mitgliedseinheiten übersteigen muss; 2. die Fähigkeit, Ressourcen unter den Mitgliedseinheiten zu vergeben; 3. die Fähigkeit, über politische Loyalitäten zu verfügen, die stärker sind als jene gegenüber den Mitgliedseinheiten” (268). Eine tragende Rolle in diesem System sollen „die transnationalen kommunitaristischen Organisationen und allgemeiner betrachtet die globale Zivilgesellschaft” (235) spielen. Etzionis Perspektive richtet sich damit auf gemeinsame Grundwerte und politische Institutionen mit dem Ziel einer „echten globalen Gemeinschaft, damit die Menschheit die Geschichte regieren kann, anstatt Gegenstand der Geschichte zu sein” (317).
Klaus Kremb (KK)
Dr., Oberstudiendirektor, Wilhelm-Erb-Gymnasium Winnweiler, Lehrbeauftragter, Fachgebiet Politikwissenschaft, TU Kaiserslautern.
Rubrizierung: 4.14.24.34.4 Empfohlene Zitierweise: Klaus Kremb, Rezension zu: Amitai Etzioni: Vom Empire zur Gemeinschaft. Frankfurt a. M.: 2011, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/34670-vom-empire-zur-gemeinschaft_41667, veröffentlicht am 15.11.2012. Buch-Nr.: 41667 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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