/ 21.06.2013
Joseph Pozsgai
Vom Vietnam-Krieg zum Irak-Desaster. Fehlentscheidungen amerikanischer Politik
München: Olzog 2008; 319 S.; brosch., 24,90 €; ISBN 978-3-7892-8256-0Der Autor schildert ausführlich die Entstehung und den Verlauf der Kriege in Vietnam und im Irak, indem er Hintergründe analysiert, analoge Strukturen aufzeigt und Strategien der Beteiligten kritisch untersucht. Zudem werden abschließend mögliche Folgen des Irak-Krieges erörtert. Der Ausgangspunkt von Pozsgais Betrachtungen liegt in folgender Überlegung: Seit Jahrzehnten sind die USA im Prinzip die militärisch potenteste Macht, jedoch scheiterten sie fast immer dann, wenn es darum ging, die militärischen Erfolge in politische umzusetzen. Für den Verfasser offenbart sich darin ein Muster, er entdeckt in der amerikanischen Politik zu solch verschiedenen Fällen wie Vietnam und dem Irak einen gemeinsamen Nenner, „es ist der realitätsferne traditionelle amerikanische Fortschrittsglaube, dass Demokratie als politischer Ordnungsfaktor für alle Völker anwendbar sei“ (9). Zudem macht der Autor eine eklatante Führungsschwäche der USA aus. Nach dem Ersten Weltkrieg habe Präsident Wilson die Ausgestaltung der Friedensverträge Frankreich und England überlassen, wodurch das Scheitern der Weimarer Republik bereits bedingt gewesen sei, Präsident Roosevelt habe Stalins Expansionspläne unterschätzt und Präsident Kennedy schließlich die politische Situation und ihre Möglichkeiten in Vietnam. Neben den historischen Betrachtungen äußert Pozsgai sich auch zu aktuellen Fragen. So untersucht er „Russlands Doppelspiel“ (292), in welchem sich Putin dem Westen als Partner anbiete, dessen Diplomaten jedoch versuchten die Spannungen in der islamischen Welt zu erhalten. Da die Krisen des Mittleren Ostens nach wie vor dem Ölproduzenten Russland hohe Preise garantierten, führt der Autor aus, liege es derzeit nicht im russischen Interesse, die Region zu befrieden: „Der alleinige Nutznießer der Dauerkrise im Mittleren Osten heißt nach wie vor Moskau“ (295). Als Gefahr identifiziert der Autor auch eine mögliche „Talibanisierung“ der Atommacht Pakistan. Bisher sei es den Agitatoren jedoch nur gelungen in besonders abgelegenen Regionen des Landes Fuß zu fassen.
Timo Lüth (TIL)
Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
Rubrizierung: 4.22 | 4.41 | 4.1 | 2.68 | 2.63
Empfohlene Zitierweise: Timo Lüth, Rezension zu: Joseph Pozsgai: Vom Vietnam-Krieg zum Irak-Desaster. München: 2008, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30101-vom-vietnam-krieg-zum-irak-desaster_35687, veröffentlicht am 20.01.2009.
Buch-Nr.: 35687
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Student, Institut für Politische Wissenschaft, Universität Hamburg.
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