/ 21.06.2013
Paul Heinemann
Von der Unauffindbarkeit Deutschlands. Grundlageninformationen zur "Deutschen Frage/Deutschen Identität"
Frankfurt a. M. u. a.: Peter Lang 2009 (Werkstattreihe Deutsch als Fremdsprache 82); 204 S.; brosch., 39,- €; ISBN 978-3-631-58185-8„Deutschland? Aber wo liegt es? Ich weiß das Land nicht zu finden” (51), heißt es in Goethes und Schillers Xenien. Die Suche nach dem, was Deutschland ist und wie es sich identifizieren lässt, beschäftigt Schriftsteller, Philosophen und zahlreiche andere Menschen seit Jahrhunderten. Wenngleich es in der Vergangenheit räumlich, rassistisch oder kulturell determinierte Vorstellungen gab, die mitunter verheerende Folgen für das Land selbst und ganz Europa zeitigten, so scheint die Suche nach einer befriedigenden Definition nie an einem endgültigen Ziel angekommen zu sein. Im Vergleich zu Frankreich oder Schweden sind auch die Begriffe „Staat” und „Nation” nicht ohne Weiteres synonym zu setzen. Und noch etwas scheint seltsam: „Deutsch kommt nicht von Deutschland” (12), das heißt, anders als bei den meisten Ländern leitet sich hier das Gegenständliche (Deutschland) aus einem Adjektiv (deutsch) ab, das in erster Linie zur Bezeichnung der Sprache diente. Vor dem Hintergrund dieser ungewöhnlichen Entwicklung versucht der Autor, die Identitätsproblematik zwischen den Deutschen und ihrem Deutschland in ein Bild zu fassen. Das Panorama, das er zeichnet, reicht dabei zeitlich vom frühen Mittelalter bis in unsere Gegenwart hinein. Ein gutes Drittel des Gesamtumfangs widmet Heinemann der Zeit nach 1945, in der sich die Suche nach verbindenden Identitätsmerkmalen noch schwieriger gestaltete, da einer deutschen Entität jetzt nicht mehr nur die Jahrhunderte alten kleinteiligen Strukturen im Wege standen, sondern vielmehr eine Systemgrenze, die die Herausbildung unterschiedlicher Identitäten förderte. Da diese Unterschiede heute nach Ansicht des Autors wieder Zweifel an der Einheit der Nation aufkommen lassen, scheinen die Deutschen außer ihrer Sprache keinen einheitlichen Bezugspunkt namens Deutschland zu kennen. Dass aber möglicherweise diese „Suche” nach Deutschland selbst ein die Deutschen verbindendes Element ihrer Identität sein könnte, wird vom Autor nur angedeutet. Insofern ist auch dieses Buch kein Schlusspunkt, sondern vielmehr eine anregende Wegmarke einer andauernden Weitersuche.
Michael Vollmer (MV)
M. A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, TU Chemnitz.
Rubrizierung: 2.35 | 2.3 | 2.31
Empfohlene Zitierweise: Michael Vollmer, Rezension zu: Paul Heinemann: Von der Unauffindbarkeit Deutschlands. Frankfurt a. M. u. a.: 2009, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/30987-von-der-unauffindbarkeit-deutschlands_36826, veröffentlicht am 26.08.2009.
Buch-Nr.: 36826
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M. A., Politikwissenschaftler, wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, TU Chemnitz.
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