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/ 20.06.2013
Wolfgang Brenner

Walther Rathenau. Deutscher und Jude

München/Zürich: Piper 2006; 520 S.; 2. Aufl.; geb., 24,90 €; ISBN 3-492-04758-0
Kurzweilig und durchaus spannend beschreibt der Krimi- und Drehbuchautor Brenner das Leben und die Ermordung Rathenaus. Sein Buch ist sowohl in sprachlicher Hinsicht als auch in Bezug auf das Quellenstudium weitgehend populärwissenschaftlich gehalten und verändert das bestehende Bild des deutschen Politikers nur wenig. Der Autor, der stärker psychologisch als geschichtswissenschaftlich oder politiktheoretisch interessiert ist, zeichnet die wesentlichen Stationen des Lebensweges nach: die jüdisch-industrielle Herkunft, das naturwissenschaftliche Studium trotz ästhetischer Neigungen, die Weigerung preußischer Offizier zu werden, die Zeit als Publizist, Aufsichtsratsvorsitzender der AEG, Mitarbeiter im Preußischen Kriegsministerium und Außenminister. Bei der Beschreibung des Charakters kommt Brenner zu dem für diese Generation nicht unüblichen Befund, dass Rathenau eine gewisse Larmoyanz kennzeichnete, die er durch eine resolut vorgetragene Absage an jedwede Romantik zu überwinden versuchte. Ein fataler, aber ebenfalls typischer Höhepunkt war dabei sein „jüdischer Selbsthass“ („Höre, Israel!“ von 1897). An solchen Stellen werden aber auch die Schwächen des Buches deutlich, das seine suggestive Stärke durch ein Desinteresse gegenüber einer nüchternen Analyse erkauft.
Frank Schale (FS)
Dr., wiss. Mitarbeiter, Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte, Technische Universität Chemnitz.
Rubrizierung: 2.32.311 Empfohlene Zitierweise: Frank Schale, Rezension zu: Wolfgang Brenner: Walther Rathenau. München/Zürich: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/25448-walther-rathenau_29505, veröffentlicht am 25.06.2007. Buch-Nr.: 29505 Inhaltsverzeichnis Rezension drucken
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