/ 21.06.2013
Jürgen Osterhammel / Dieter Langewiesche / Paul Nolte (Hrsg.)
Wege der Gesellschaftsgeschichte
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2006 (Geschichte und Gesellschaft: Sonderheft 22); 294 S.; kart., 39,90 €; ISBN 978-3-525-36422-2Anlässlich des dreißigjährigen Bestehens von „Geschichte und Gesellschaft“, der „Zeitschrift für historische Sozialwissenschaft“, wird in diesem Sonderheft eine Bilanz der bisherigen Leistungen dieses historiografischen Ansatzes gezogen. Dass diese Bilanz nicht nur die Geschichte als universitäre Disziplin betrifft, ist schon mit dem Untertitel der Zeitschrift angedeutet. Für die Politikwissenschaft macht Klaus von Beyme in seinem Aufsatz über die „antagonistische Partnerschaft“ (33) beider Fächer die vielfältigen disziplinären Zusammenhänge deutlich. Während in der Zeit der Wiedergründung der Politikwissenschaft nach 1945 das antagonistische Element überwogen habe, entwickle sich in jüngerer Zeit eine fruchtbare Partnerschaft. Die disziplinäre Verflechtung der Gesellschaftsgeschichte wird in den Beiträgen weiterer Politologen deutlich. Manfred G. Schmidt verortet die bundesdeutsche Sozial- und Wirtschaftspolitik im internationalen Vergleich. War das Beschreiten des „mittleren Weges“ zwischen Wirtschaftsliberalismus wie in den USA und ausgeprägten Wohlfahrtsstaaten z. B. in Schweden bis 1990 außerordentlich erfolgreich, so zeigen sich seitdem deutlich höhere Kosten bei geringerem Nutzen dieses Mittelweges. Die Ursachen für das Festhalten am mittlerweile vergleichsweise erfolglosen Mittelweg in der Sozial- und Wirtschaftspolitik sieht Schmidt in generellen Mechanismen der Pfadabhängigkeit und in der Eigenart des politischen Systems der Bundesrepublik begründet. Aus der Perspektive der Geschichtswissenschaft fragt Paul Nolte, warum die „klassische“ deutsche Gesellschaftsgeschichte ihren bevorzugten Gegenstand in der Erforschung des 19. Jahrhunderts fand. Er rekonstruiert dafür die „Meistererzählung“ der deutschen Sozialgeschichte mit ihrem spezifischen Begriff der Moderne und konstatiert, dass im Zuge des „Abschieds vom 19. Jahrhundert“ sowohl der Gegenstand – jetzt vorwiegend das 20. Jahrhundert –, als auch der methodische Zugriff der Historiografie – die Übernahme sozialwissenschaftlicher Ansätze der Postmoderne – sich in wesentlichen Teilen gewandelt hätten.
Sebastian Lasch (LA)
M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
Rubrizierung: 2.2 | 2.325 | 2.313 | 2.342 | 2.314 | 2.3 | 1.1 | 2.27 | 2.63 | 2.64 | 2.61
Empfohlene Zitierweise: Sebastian Lasch, Rezension zu: Jürgen Osterhammel / Dieter Langewiesche / Paul Nolte (Hrsg.): Wege der Gesellschaftsgeschichte Göttingen: 2006, in: Portal für Politikwissenschaft, https://www.pw-portal.de/rezension/27146-wege-der-gesellschaftsgeschichte_31705, veröffentlicht am 25.06.2007.
Buch-Nr.: 31705
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M. A., wiss. Mitarbeiter, Institut für Politikwissenschaft, Universität Jena.
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